Europäische Impfwoche vom 19. bis 25. April: »Impfstoffe wirken für jede Generation«
Bereits zum 20. Mal findet in diesem Jahr die Europäische Impfwoche statt. Diesen Anlass möchte der Öffentliche Gesundheitsdienst erneut nutzen, um auf die Bedeutung von Impfungen aufmerksam zu machen. Das diesjährige Motto lautet „Impfstoffe wirken für jede Generation“. Die positiven Auswirkungen von Impfungen können laut dem hiesigen Gesundheitsamt - das beim Landratsamt Enzkreis angesiedelt und auch für die Stadt Pforzheim zuständig ist - in Deutschland, Baden-Württemberg und der Region beobachtet werden.
Aufgrund eines erhöhten Risikos für schwere Krankheitsverläufe empfiehlt die Ständige Impfkommission (kurz: STIKO) seit Juni 2024 für unter einjährige Kinder eine Prophylaxe gegen das sog. Respiratorische Synzytial Virus (RSV) – einen Erreger akuter Atemwegserkrankungen. Dabei erhalten Neugeborene und Säuglinge Antikörper, die vor schweren RSV-Erkrankungen schützen. „Der positive Effekt hat sich bereits in der darauffolgenden RSV-Saison deutlich gezeigt“, so der Leiter des Gesundheitsamts, Domenik Henk. „Während die Gesamtzahl der übermittelten RSV-Fälle in Baden-Württemberg laut dem Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration in der Saison 2024/25 im Vergleich zur Vorsaison leicht anstieg, hat sich seither die Zahl der übermittelten Fälle bei den unter Einjährigen nahezu halbiert.“
RSV-Erkrankungen treten laut Henk saisonal gehäuft von Oktober bis März auf. Die STIKO empfiehlt die RSV-Prophylaxe allen Neugeborenen und Säuglingen vor ihrer ersten RSV-Saison: Säuglinge, die zwischen April und September geboren sind, sollten die Prophylaxe also möglichst zwischen September und November erhalten. Babys, die zwischen Oktober bis März geboren werden, sollten die Prophylaxe möglichst rasch nach der Geburt, idealerweise bei Entlassung aus der Geburtseinrichtung bzw. bei der U2 (zwischen dem 3. und 10. Lebenstag) bekommen. Für die unter Einjährigen lag die Immunisierungsquote in der RSV-Saison 2024/2025 bundesweit bei 54 Prozent und damit recht hoch für eine gerade erst eingeführte Immunisierung.
Während die RSV-Prophylaxe unmittelbar Säuglinge vor schweren Erkrankungen schützt, entfaltet die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV), die ab dem Kindes- und Jugendalter empfohlen ist, ihre Wirkung erst im Laufe des Lebens. Bestimmte HPV-Typen können Krebs am Gebärmutterhals, im Rachen und im Anogenitalbereich auslösen. Zum Schutz vor HPV-bedingtem Krebs ist für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 bis 14 Jahren in Deutschland eine Impfung empfohlen.
Im Jahr 2024 waren im Enzkreis 45 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 30 Prozent der 15-jährigen Jungen vollständig gegen HPV geimpft, in Pforzheim 33 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 16 Prozent der 15-jährigen Jungen. „Die Quoten liegen damit deutlich unterhalb der von der Weltgesundheitsorganisation angestrebten 90 Prozent“, wie Henk feststellt, „dabei zeigt sich bereits jetzt: die HPV-Impfung wirkt.“
Trotz der in Deutschland vergleichsweise niedrigen Impfquoten werden laut einer Veröffentlichung des Robert Koch-Instituts erste schützende Effekte sichtbar: So ging die Rate der Neuerkrankungen mit Gebärmutterhalskrebs bei jüngeren Frauen im Alter von 20 bis 34 Jahren zurück; sie ist von 7,8 pro 100.000 Frauen im Jahr 2015 kontinuierlich auf 4,3 im Jahr 2023 gesunken. In der nächsthöheren Altersgruppe, für die zum damaligen Zeitpunkt noch keine Impfempfehlung bestand, ist hingegen kein eindeutiger Trend erkennbar. Daher auch hier der Appell des Gesundheitsamts: „Wenn die Impfraten steigen, bekämpfen wir damit wirksam bestimmte Krebserkrankungen. Idealerweise sollte diese Impfmöglichkeit von allen Kindern und Jugendlichen genutzt werden."
Für einen vollständigen HPV-Impfschutz sind zwei Impfdosen erforderlich. Wenn die Impfung verpasst wurde, sollte sie spätestens bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. Wird die Impfung erst nach dem 15. Geburtstag begonnen, sind für den vollständigen Schutz drei Impfungen notwendig. HPV-Impfungen können zum Beispiel durch den Kinderarzt, die Hausärztin oder den Frauenarzt vorgenommen werden.
Nicht vernachlässigt werden sollten nach Worten Henks auch alle anderen Impfungen wie z.B. gegen Diphterie, Tetanus und Polio, die alle zehn Jahre eine Auffrischung benötigen, oder Impfungen wie beispielsweise gegen Pneumokokken vor allem für Säuglinge ab dem Alter von zwei Monaten, für Menschen über 60 oder für Personen mit Grunderkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben.
„Impfungen sind bei Krankheiten, die sich dadurch beeinflussen lassen, die beste Prävention vor schweren Verläufen“, so das Fazit des Gesundheitsexperten. „Am besten daher beim nächsten Arztbesuch den Impfausweis mitnehmen und durchchecken lassen. Denn zehn Jahre sind schnell vorbei.“
Bei weiteren Fragen zu Impfungen und Impfempfehlungen empfiehlt das Gesundheitsamt, sich an die Ärztin oder den Arzt des Vertrauens zu wenden. Eine gute Übersicht rund um das Thema Impfen bietet zudem die Website des „Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit“ (BIÖG) unter www.infektionsschutz.de.
Die aktuellen Impfempfehlungen der STIKO sind auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts unter www.rki.de zu finden. Wer keinen Haus- oder Kinderarzt hat, kann auch die Impf-Sprechstunden im Gesundheitsamt wahrnehmen. Unbedingt notwendig ist hierfür eine vorherige Terminvereinbarung unter Telefon 07231 308-9075 oder per Mail an anja.westermann@enzkreis.de. (smbw/enz)