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Datum: 09.07.2024

Tansanischer Botschafter reist eigens für Suaheli-Tag aus Berlin an - Wichtige Sprache und Partnerschaft des Enzkreises mit buntem Programm in Mühlacker gefeiert

Große Ehre für den Enzkreis: Seine Exzellenz Hassani Iddi Mwamweta, Botschafter der Vereinigten Republik Tansania, war am Sonntag (7.7.) eigens aus Berlin angereist, um an den rund vierstündigen Feierlichkeiten zum Internationalen Suaheli-Tag in der „Villa Bauer“ in Mühlacker teilzunehmen und dabei nicht nur die Sprache, sondern auch die dahinterstehende wunderbare Kultur zu feiern. Landrat Bastian Rosenau freute sich sehr über den hohen Besuch, aber auch über die rund 100 weiteren Gäste, darunter Mühlackers Oberbürgermeister Frank Schneider, Mitglieder des Kreistags und des Partnerschaftsvereins „Marafiki wa Masasi“ sowie eine dreiköpfige Delegation aus Masasi, der tansanischen Partnerkommune des Enzkreises.

„Unsere eigenen Kontakte nach Afrika, aber auch die des Evangelischen Kirchenbezirks Mühlacker, die seit über 40 Jahren intensiv gepflegt werden, waren für uns Grund genug, den im Jahr 2021 von der UNESCO ausgerufenen Suaheli-Tag hier in der Senderstadt zu begehen“, erläuterte Rosenau die Hintergründe der Feier. Und so nannte der Botschafter die Beziehungen, die aus dem Enzkreis heraus nach Tansania unterhalten werden, auch ein sehr schönes Beispiel für praktizierte Völkerverständigung. Zudem bedankte er sich für die große Unterstützung, die sein Land in verschiedenen Projekten erfährt, und ergänzte mit einem Augenzwinkern: „Schön wäre, wenn Suaheli auch in der täglichen Kommunikation der Partner eine größere Rolle spielen würde.“

Nachdem diese Aussage des Botschafters lautstarke Beifallsbekundungen der afrikanischen Gäste ausgelöst hatte, machte Landrat Rosenau denn auch lachend gewisse kulturelle Unterschiede aus: „Ich glaube, wir können von Ihnen nicht nur Suaheli lernen, sondern auch, wie man Emotionen und vor allem Begeisterung zeigt.“ Dem stimmt auch Oberbürgermeister Schneider zu, der ebenfalls von „spürbarer afrikanischer Lebensfreude“ sprach.

Und die kam auch beim anschließenden bunten Programm, durch das das Moderations-Tandem Upendo Heckele und Gernoth Klug führte, zum Ausdruck: Bei den schwungvollen Liedern des „Choir of Moravian Church South West Tanzania“, dem Partnerchor des Evangelischen Kirchenbezirks Mühlacker, hielt es fast niemanden mehr auf den Stühlen. Und auch Upendo Heckele, die nebenberuflich Suaheli an der Volkshochschule Karlsruhe lehrt und von der die Initiative zum Festtag in Mühlacker ausging, sorgte zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern mit auf Suaheli vorgetragenen Texten für Heiterkeit.

Das Fest, das von Heckele zusammen mit Angela Gewiese von der Klimaschutz-Stabsstelle des Enzkreises, der tansanischen Botschaft und „Hausherrin“ Herta Gutmann von der gleichnamigen Musikschule organisiert worden war, wurde schließlich auch inhaltlich bereichert durch eine beeindruckende Vorstellung der vielfältigen Projekte, die der Enzkreis gemeinsam mit den Partnern in der tansanischen Kommune umgesetzt hat. „Wir konnten hier auf die Unterstützung der „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ und auf Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bauen“, berichtete die Erste Landesbeamtin des Enzkreises, Dr. Hilde Neidhardt, am Rande des Festes. „So konnten in Masasi beispielsweise zahlreiche Solaranlagen auf Schulen und Krankenhäusern installiert, Techniker geschult oder ein Umweltbildungszentrum gebaut werden.“ Von diesen Projekten konnten sich die Gäste am Rande der Feier bei einer Foto-Ausstellung ein eigenes Bild machen.


Und nach so viel Programm und Informationen war dann noch Zeit, verschiedenste von den afrikanischen Freunden zubereitete Speisen zu verköstigen und einen kleinen Bummel durch die Verkaufsstände mit Kleidung, Körben und Kaffee zu machen. „Hauptziel des Tages war, dass die Menschen miteinander ins Gespräch kommen – egal, ob auf Suaheli, Deutsch oder Englisch. Und das ist definitiv gelungen“, freut sich Rosenau über den Erfolg des ersten im Enzkreis begangenen Suaheli-Tages.

Hintergrundinformationen:

Heute gehört Suaheli zu den zehn am meisten gesprochenen Sprachen auf der Welt – mehr als 200 Millionen Menschen in vielen Ländern Afrikas südlich der Sahara kommunizieren tagtäglich mit ihr. Ich weiß, auch hier im Raum gibt es (abgesehen von den Muttersprachlern) einige, die diese hochinteressante Sprache sprechen oder sie gerade lernen. Meine Bewunderung ist Ihnen sicher 

Suaheli war ja jahrhundertelang die Sprache der Menschen aus vornehmlich Bantu- Gemeinschaften an der ostafrikanischen Küste von Somalia, Kenia, Tanganjika/Sansibar, Mosambik und den Komoren. Im 19. Jahrhundert verbreiteten Handel und Migration die Sprache von dort aus ins Landesinnere, insbesondere ins heutige Tansania.

Dort ist Kisuaheli heute sowohl die National- als auch die Amtssprache – und damit auch ein Instrument zur Förderung der nationalen Einheit in einem Land mit einer Fläche von fast 1 Million Quadratkilometern und ethnischen Gruppen, die mehr als 120 unterschiedliche Sprachen sprechen. Auch auf internationalen Kongressen und im Welthandel ist Kisuaheli eine gängige Sprache. (enz)