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Wer ist zuständig?

Mühlacker

Die einzige große Kreisstadt im Enzkreis entstand in ihrem heutigen Umfang durch Eingemeindung der Ortschaften Lomersheim (1. Januar 1971), Enzberg und Mühlhausen an der Enz (1. Februar 1972), Großglattbach (1. Januar 1975) und schließlich Lienzingen (5. Juli 1975) in die Stadt Mühlacker.

Lage

Das ausgedehnte Stadtgebiet an der mittleren Enz zwischen Pforzheim und Vaihingen erstreckt sich über verschiedene Naturräume: Der Norden zählt zum Keupervorland des Strombergs, der Süden zum Muschelkalkland des westlichen Neckarbeckens. Mühlacker und Enzberg liegen direkt an der Bundesstraße B 10 und an der Bahnstrecke Pforzheim-Stuttgart, der Stadtteil Lienzingen an der Bundesstraße B 35.

Geschichte Mühlacker

 

Dürrmenz
Dürrmenz

Der alte Ortskern ist das südlich der Enz gelegene Dürrmenz. Diese Siedlung aus der Merowingerzeit ist bereits 779 als "Turmenze" erstmals schriftlich bezeugt und war ein Besitzschwerpunkt des Klosters Lorsch. Die Herren von Dürrmenz, ein örtliches Ministerialengeschlecht, das mit den Adelsfamilien von Enzberg und von Niefern eng verwandt ist, haben den Ort bis 1482 an das Kloster Maulbronn veräußert. Dessen "Wiege" stand ursprünglich in der abgegangenen Siedlung Eckenweiher auf Dürrmenzer Markung, die 1138 bis 1147 Sitz des Klosters war und 1832 eingemeindet wurde. 1504 ging die Oberhoheit über den gesamten Klosterbesitz an Württemberg über, das die Reformation einführte und das Klosteramt Maulbronn bildete, zu dem auch Dürrmenz gehörte. 1699 siedelten sich Waldenser und Hugenotten, reformierte Glaubensflüchtlinge aus Piemont, in der direkt an Dürrmenz anschließenden Siedlung Du Queyras (auch Welschdorf) an. Ab 1806 zählte Dürrmenz zum Oberamt Maulbronn.
Die älteste schriftliche Nennung des nördlich der Enz gelegenen ehemaligen Weilers Mühlacker als "Mulram" datiert erst aus dem Ende des 9. Jahrhunderts, 1294 wird der Ortsname "Múlnagker" bzw. "Mulnagger" geschrieben. Der Siedlung gehörte zum Marktort Dürrmenz, wovon die lange gültige Ortsbezeichnung Dürrmenz-Mühlacker zeugt.

 

Mühlacker
Mühlacker

Die Verhältnisse veränderten sich erst mit der 1900 einsetzenden Industralisierung, die durch den Eisenbahnbau möglich geworden war. Mühlacker bildet einen Knotenpunktder Linie von Heidelberg-Bruchsal (1853 fertiggestellt) und Karlsruhe-Pforzheim (1863) nach Stuttgart; es überflügelte rasch das alte Dürrmenz und wurde mehr und mehr Zentrum des Maulbronner Bezirks. Bemühungen um die Ausweisung als Amtssitz scheiterten jedoch; so blieb Dürrmenz-Mühlacker beim Oberamt Maulbronn und gehörte von 1938 bis 1972 zum Landkreis Vaihingen. 1930 erhielt die Doppelgemeinde einen Rundfunk-Großsende und wurde unter Verkürzung des Namens zu Stadt Mühlacker ehoben, die im Zweiten Weltkrieg unter Zerstörungen zu leide hatte. Seit 1. Januar 1973 ist Mühlacker Große Kreisstadt.
Aus Mühlacker stammt der derzeitige Enzkreis-Landrat Karl Röckiger (geb. 1950)

Geschichte Enzberg

Enzberg
Enzberg
Der Ort wurde im Jahr 1100 als "Enzeberch" erstmalig urkundlich genannt. Die Burg war vermutlich einst Hauptsitz der Kraichgaugrafen im Enzgau. Die zugehörige Siedlung konnte wohl vom Abgang des nordwestlich gelegenen Ortes Dalfingen profitieren. Die Familie von Enzberg, ein salisches, dann speyerisches Ministerialengeschlecht, übte vorübergehend die Vogtei über das Kloster Maulbronn aus und trug im 14. Jahrhundert Burg und Ort Enzberg den Markgrafen von Baden zu Lehen auf.  Auch die Pfalz und Württemberg besaßen hier Lehensrechte. Bis zur Zerstörung 1384 durch den Pfalzgrafen ist der Ort als Stadt bzw. Städtlein bezeichnet; danach blieb die Besiedlung auf dörfliche Form begrenzt. Die Junker von Enzberg verlegten 1409 ihren Sitz nach Mühlheim an der Donau. Das Kloster Maulbronn erwarb 1438 endgültig ein Viertel des Ortes, der ab Mitte des 16. Jahrhunderts zum Klosteramt Maulbronn zählte. Verschiedene reichsritterschaftliche Familien besaßen nacheinander die übrigen drei Viertel, bis diese 1685 durch Kauf ebenfalls an das Herzogtum Württemberg gelangten, das für diesen Anteil ein eigenes Rentkammeramt einrichtete; die Steuerhoheit verblieb jedoch beim Ritterkanton Neckar-Schwarzwald. 1699 gründeten Waldenser nördlich des Ortes den Weiler Sengach. Enzberg war bis 1818 Teil der evangelisch-lutherischen Pfarrei im badischen im badischen Nachbarort Niefern. Zu Ehen Napoleons wurde für dessen Württembergreise 1806 an de badischen Grenze ein inzwischen lämgst verschwundener Triumphbogen errichtet. In dieser Zeit gelangte ganz Enzberg zum Oberamt Maulbronn und war dann 1938 bis 1972 Teil des Landkreises Vaihingen. Im Enztal befindet sich ein großes Umspannwerk, das aus dem Kraftwerk eines schon 1901 gegründeten Gemeindezweckverbandes hervorging. Aus Enzberg stammt der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (geb. 1966).

Geschichte Großglattbach

Großglattbach
Großglattbach
Der früheste schriftliche Nachweis datiert aus dem Jahr 782 als "Glatebach"; die urkundlichen Nennungen sind bis ins Spätmittelalter allerdings nicht klar von Kleinglattbach bei Vaihingen zu unterscheiden. Im 12./13. Jahrhundert ist örtlicher Niederadel und seit 1245 Grundbesitz des Klosters Maulbronn bezeugt, das wohl im 14. Jahrhundert die Ortsherrschaft über ganz Großglattbach erlangen konnte. Mit dem Übergang der Oberhoheit über das Klostergebiet (1504) kam der Ort an Württemberg und wurde in das Klosteramt, später Oberamt Maulbronn integriert. 1842 erfolgte eine Umgliederung zum Oberamt (1938-1972 Landkreis) Vaihingen.

Geschichte Lienzingen

Die Kirchenburg in Lienzingen.
Die Kirchenburg in Lienzingen.
Das aus der frühen Merowingerzeit stammende Dorf ist für die Jahre ab 766/767 mehrfach schriftlich bezeugt ("Linzingen", "Leonzingen", auch "Leutzenheim"). Der Name rührt von einem Personennamen her. Die wichtige Handelsstraße von Frankfurt über Speyer nach Cannstatt und Ulm mitten durch den Ort. In Lienzingen hatten die Klöster Lorsch und Sinsheim Besitz. Ab 1245 ist Maulbronn als Grundherr bekannt; der Abtei gelang es bis zum 14. Jahrhundert die Ortsherrschaft über ganz Lienzingen zu erlangen. Mit Maulbronn kam das Dorf 1504 unter württembergische Oberhoheit und wurde nach der Reformation dem gleichnamigen Klosteramt einverleibt. Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges wurden 1692 rund 30 Gebäude von französischen Truppen niedergebrannt. Lienzingen gehörte ab 1806 zum Oberamt Maulbronn und 1938-1972 zum Landkreis Vaihingen.

Geschichte Lomersheim

 

Die Peterskirche in Lomersheim mit Brunnen von Kurt Tassotti.
Die Peterskirche in Lomersheim mit Brunnen von Kurt Tassotti.
Der ebenfalls zur Zeit der Merowinger gegründete Ort ist spätestens 800 ersturkundlich als "Lotmaresheim" überliefert. Die Benennung erfolgte nach einem Personennamen. Vom 12. bis ins 16. Jahrhundert sind als edelfreies Geschlecht die Herren von Lomersheim nachweisbar, welche die sogenannte Rotenburg oberhalb des Dorfes bewohnten. Die Herrschaftsrechte, ursprünglich teilweise bei den Herren von Dürrmenz und der Marktgrafschaft Baden, konnte bis ins 15. Jahrhundert das Kloster Maulbronn gänzlich erwerben. Mit Übergang der Oberhoheit über die Abtei (1504) gelangte das damals kriegszerstörte Lomersheim an das Herzogtum Württemberg. Es war Teil des Klosteramts, später Oberamts Maulbronn und 1938 bis 1972 des Landkreises Vaihingen. Die Wirtschaftsstruktur Lomersheims wurde im 20. Jahrhundert stark durch die Weberei Wendler aus Reutlingen geprägt.
Der Ortsadlige Walter von Lomersheim war 1138/47 Stifter des Klosters Maulbronn.

Geschichte Mühlhausen an der Enz

Mühlhausen an der Enz
Mühlhausen an der Enz
Die erste gesicherte schriftliche Erwähnung des Dorfes stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert. Ein örtliches Niederadelsgeschlecht stand im Gefolge der Grafen von Vaihingen und der Pfalzgrafen von Tübingen. Später erwarb das Kloster Maulbronn Herrschaftsrechte über Mühlhausen, das offenbar direkt unter königlichem Schutz gestanden hatte. 1508 jedoch verzichtete die Abtei auf Ortsherrschaft mit Blutgerichtsbarkeit und überließ diese Konrad Thumb von Neuburg, der vom Kaiser damit belehnt wurde. 1648 erkaufte Johann von Hohenfeld den Ort, auf ihn folgte 1689 die Familie von Stein zu Neuweier. Die Steuerrechte wurden vom Ritterkanton Kocher verwaltet. 1785 erkaufte das Herzogtum Württemberg Mühlhausen und richtete ein eigenes Kammerschreibereiamt ein. Ab dem 19. Jahrhundert gehörte das Dorf zum Oberamt bzw. (bis 1972) Landkreis Vaihingen. Infolge seiner Lage in einer Schlinge der Enz hatte Mühlhausen häufig unter Hochwasser zu leiden.

In Mühlhausen wurden der geistliche Liederdichter Philipp Friedrich Hiller (1699-1769) und der Staatswirtschaftler Prof. Friedrich Karl Fulda (1774-1847) geboren.
             

Literaturhinweise

In den Schriften des Kreisarchivs ist erschienen:

  • Familien in Dürrmenz-Mühlacker 1657 - 1900 mit älteren Nachweisen ab 1523
    von Ruth Schneider, Mühlacker und Pforzheim 2009

In der Jahrbuch-Reihe "Der Enzkreis - Historisches und Aktuelles" finden Sie die Beiträge:

  • Gemeindeverband Elektrizitätswerk Enzberg. 75 Jahre Stromversorgung
    von Jürgen Gysin und Dipl.-Ing. Heinz Kärcher in Jahrbuch `86/87
  • Aus dem Queyras nach Dürrmenz. Die Kolonie Welschdorf
    von Dr. Theo Kiefner in Jahrbuch `86/87
  • Mühlacker zwischen Schwarzwald und Stromberg. Vom Flecken zur Großen Kreisstadt
    von Gerhard Knapp und Oskar Steinacker in Jahrbuch `87/88
  • Der St.-Andreas-Kirchhof in Dürrmenz und seine historischen Grabmäler
    von Hansjörg Volz in Jahrbuch `89/90
  • Professor Gerlinde Beck zum 60. Geburtstag. Ihr Element ist "die Sache der Bildhauerei"
    von Esther Schmalacker-Wyrich in Jahrbuch `91/92
  • Das römische Mühlacker
    von Dr. Jean-Claude Hugonot in Jahrbuch `91/92
  • Merowingerfunde in Mühlacker
    von Dr. Jean-Claude Hugonot in Jahrbuch 6
  • "Wer einmal Ton anfaßt, bleibt daran kleben". 125 Jahre Händle GmbH + Co. KG, Maschinen und Anlagenbau in Mühlacker
    von Willi Bender in Jahrbuch 6
  • "Ich bin glücklich - ich bin Malerin". In memoriam Helga Sachs
    von Esther Schmalacker-Wyrich in Jahrbuch 6
  • Die Kleinkunstbühne "theater in der kanne" in Mühlacker-Dürrmenz
    von Joan Neuwirth in Jahrbuch 7
  • Das Jugendzentrum Mühlacker
    von Andreas Ritter in Jahrbuch 7
  • Das römische Landgut bei Enzberg
    von Dr. Britta Rabold in Jahrbuch 8
  • Philipp Friedrich Hiller (1699-1769) - geistlicher Liederdichter aus Mühlhausen an der Enz
    von Dr. Walter Stäbler in Jahrbuch 8
  • Die Geriatrische Rehabilitationsklinik Mühlacker. Der Neubau der Geriatrie an den Enzkreis-Kliniken Mühlacker
    von Werner Dieterle und anderen Autoren in Jahrbuch 8
  • Die Geriatrische Rehabilitationsklinik Mühlacker. Die Arbeit in der Geriatrischen Rehabilitationsklinik Mühlacker
    von Dr. Karl-Heinz Müller in Jahrbuch 8
  • 900 Jahre Enzberg (1100-2000) im Beitrag 1100 - eine Urkunde und ihre Folgen.Die Gründung des Michaelsklosters in Sinsheim und der Enzgau
    von Oliver Fieg in Jahrbuch 9
  • Hermann Heinrich Frey (1549-1599) - ein Pfarrer aus Dürrmenz
    von Dr. Günther Mahal in Jahrbuch 10
  • Ein Vertrag zwischen Else von Frauenberg, Witwe von Reinhard Enzberger, und Reinhard NIx, genannt Enzberger, aus dem Jahr 1425
    von Arthur D. Mosher in Jahrbuch 12
  • Das Mehrgenerationenhaus in Mühlacker
    von Hannelore Alsfeld-Seibel in Jahrbuch 13
  • Die Herren von Enzberg im Pforzheimer Raum. Aufstieg und Niedergang einer Ministerialenfamillie in Konkurrenz zur Reichsabtei Maulbronn
    von Konstantin Huber in Jahrbuch 13
  • Vor 100 Jahren wurde der "Gemeindeverband Elektrizitätswerk Enzberg" gegründet
    von Heinz K. Kärcher in Jahrbuch 13

Sehenswürdigkeiten

Mühlacker:

  • Burgruine Löffelstelz
  • Keltergebäude (mit Heimatmuseum)
    Ein Rundgang durch fünf thematisch untergliederte Ebenen dokumentiert die Heimatgeschichte der Senderstadt und ihrer Umgebung.
    Standort: Kelterplatz 5, 75417 Mühlacker
    Eintritt frei
    Öffnungszeiten: Sonntag 14:00 – 17:00 Uhr und nach Vereinbarung mit der Stadtverwaltung (Telefon: 07041 876-325)
  • Senderanlage des Südwestrundfunks

Enzberg:

  • Fachwerkbau ("Schlössle") am Marktplatz

Großglattbach:

  • Wehrkirche
  • ehemalige Posthalterei (1604)

Lienzingen:

  • spätgotische Wehrkirche
  • Fachwerkhäuser
  • Liebfrauenkirche (1476) südlich des Ortes

Lomersheim: 

  • Turmreste der ehemaligen Burg
  • evangelische Pfarrkirche (Mitte 15. Jahrhundert)
  • Kelter

Mühlhausen an der Enz:

  • Renaissanceschloss (1566)
  • evangelische Pfarrkirche (1458)
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