Sprungziele
Seiteninhalt

 

Flüchtlinge im Enzkreis Teil 27: Wann und wie können Flüchtlinge ihre Familie nachholen?

Nachricht vom 21.03.2016

Viele Tausend Menschen suchen zurzeit Zuflucht in Deutschland. Woher kommen diese Menschen, wo und wie werden sie untergebracht, dürfen sie arbeiten und wenn ja, ab wann? Antworten auf diese und zahlreiche weitere Fragen gibt eine Artikelserie, die im Mitteilungsblatt erscheint.

Das Grundgesetz stellt die Familie unter besonderen Schutz

Der Familiennachzug für Ausländer, die in Deutschland leben, ist im Aufenthaltsrecht geregelt. Es beruft sich dabei ausdrücklich auf den Artikel 6 des Grundgesetzes, in dem Ehe und Familie unter den „besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ gestellt werden.

Einen Antrag auf Familienzusammenführung können Ausländer stellen, die eine Niederlassungserlaubnis, eine Erlaubnis zum Daueraufenthalt oder eine Aufenthaltserlaubnis besitzen; dazu gehören unter anderem anerkannte Flüchtlinge. Wer lediglich eine Duldung hat, darf die Familie nicht nachholen; das gleiche gilt für Menschen, deren Asylverfahren noch läuft.

Voraussetzung für den Familiennachzug ist normalerweise, dass der Ausländer ausreichend Wohnraum zur Verfügung hat, für den Unterhalt seiner Familie sorgen kann und dass die nachziehenden Familienmitglieder sich auf Deutsch verständigen können. Für Flüchtlinge gelten diese Einschränkungen nicht, wenn der Antrag auf Familienzusammenführung innerhalb von drei Monaten nach der Anerkennung gestellt wird.

Im sogenannten Asylpaket II wurde der Familiennachzug bei „subsidiärem Schutz“ ausgesetzt. Dies betrifft Menschen, die auch ohne Flüchtlings-Anerkennung in Deutschland bleiben dürfen, weil ihnen zum Beispiel in ihrem Heimatland Folter oder die Todesstrafe drohen oder weil ihr Leben aufgrund von Krieg oder Bürgerkrieg bedroht ist. Bislang sind dies allerdings nur sehr wenige Fälle.

Nur die engsten Familienangehörigen dürfen nachziehen

Entgegen der landläufigen Meinung gilt das Recht auf Familiennachzug nicht für den gesamten Familienverband, sondern nur für den Ehepartner und für Kinder unter 18 Jahren; mit einer Ausnahme: Bei unbegleiteten Minderjährigen, die als Flüchtling anerkannt sind, dürfen die Eltern nach Deutschland nachreisen – und damit auch die Geschwister, die noch nicht 18 sind, weil ja dann deren Eltern in Deutschland leben.

Den Antrag auf Familiennachzug stellen die nachziehenden Angehörigen bei der deutschen Botschaft in dem Land, in dem sie sich aufhalten. Anerkannte Flüchtlinge können zudem einen Antrag in Deutschland stellen, um die 3-Monats-Frist zu wahren. Den Flug oder die Fahrt nach Deutschland müssen die Menschen selbst bezahlen – die Kosten für diese (dann legale) Reise betragen jedoch nur einen Bruchteil dessen, was beispielsweise die professionellen Schlepper verlangen.

Bislang sind noch nicht sehr viele Familienangehörige von Flüchtlingen nach Deutschland gekommen: Im Enzkreis sind es bislang 14 Personen, etwa 60 weitere haben einen Antrag gestellt. Der Grund: Bei den meisten der derzeit knapp 2.700 Asylbewerber, die in den Unterkünften im Enzkreis leben, ist das Asylverfahren noch nicht abgeschlossen. Im Landratsamt rechnet man deshalb noch im Lauf des Jahres mit einer deutlich steigenden Zahl. Allerdings wird sie vermutlich niedriger sein als in anderen Land- und Stadtkreisen, da der Enzkreis überproportional viele Familien aufgenommen hat: Wenn Eltern und Kinder bereits hier leben, gibt es keine weiteren Angehörigen, die nachziehen (dürfen).

Seite zurück Nach oben