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Artikelserie „Flüchtlinge im Enzkreis“ Teil 20: Wie viele Menschen sind 2015 nach Deutschland geflohen?

Nachricht vom 08.01.2016

Viele Tausend Menschen suchen Zuflucht in Deutschland. Woher kommen diese Menschen, wo und wie werden sie untergebracht, dürfen sie arbeiten und wenn ja, ab wann? Antworten auf diese und zahlreiche weitere Fragen gibt eine Artikelserie, die im Mitteilungsblatt erscheint.

Warum gibt es keine genaue Zahl?

Im August vergangenen Jahres hatte man geschätzt, dass 800.000 Menschen bis Ende 2015 nach Deutschland flüchten wollen. Der bayrische Ministerpräsident spricht derzeit von 1,1 Millionen, einige Medien nannten im November die Zahl 1,5 Millionen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) berichtet, dass Im Jahr 2015 insgesamt 476.649 formelle Asylanträge gestellt wurden. Woher kommen diese deutlichen Unterschiede?

Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, wird zunächst im Computersystem EASY registriert, mit dem die Verteilung der Menschen auf die Bundesländer erfolgt. Mit EASY wurden im vergangen Jahr insgesamt 1.091.894 Menschen erfasst. Auch diese Zahl ist jedoch nicht völlig exakt: So werden die Flüchtlinge in den Landes-Erstaufnahme-Einrichtungen (LEA) der Bundesländer erneut registriert.

Es kann jedoch vorkommen, dass Menschen in einem Bundesland aufgenommen und registriert werden, danach jedoch in ein anderes weiterreisen, wo bereits Familienangehörige leben. Dort findet dann eine weitere Registrierung statt, sie werden also doppelt gezählt. Umgekehrt versuchen nicht wenige Flüchtlinge, in andere Länder Europas weiterzureisen, vor allem nach Schweden oder nach England. Da sie sich in der Regel nicht offiziell „abmelden“, werden sie möglicherweise längere Zeit im jeweiligen System mitgezählt.

Erst mit dem Stellen eines Asylantrags können Fehl- und Doppelregistrierungen ausgeschlossen werden. Denn spätestens jetzt werden die Asylbewerber „erkennungsdienstlich behandelt“, das heißt sie werden fotografiert und ihre Fingerabdrücke werden abgenommen und mit den vorhandenen Datenbanken abgeglichen. Allerdings kann es Wochen, zuweilen auch Monate dauern, ehe Flüchtlinge einen Asylantrag stellen können, weil das BAMF überlastet ist. Daraus erklärt sich die große Differenz zwischen den Zahlen im EASY-System und den gestellten Asylanträgen.

Wie viele Menschen leben derzeit im Enzkreis?

Am 31. Dezember 2015 waren im Enzkreis 2.199 Menschen vorläufig untergebracht. Da diese Flüchtlinge bereits erfasst sind, auch wenn noch kein Asylantrag gestellt wurde, entspricht diese Zahl der Realität. Zählt man die Menschen in der Anschlussunterbringung hinzu, lebten im Enzkreis zum Jahresende 2.443 Flüchtlinge. Seit Anfang des Jahres werden dem Landratsamt wöchentlich weitere 99 Menschen zugewiesen.

Mehr als die Hälfte der Menschen, die momentan nach Deutschland kommen, sind Syrer. Weitere je etwa 10 Prozent stammen aus Afghanistan und aus Irak. Die Balkanstaaten des ehemaligen Jugoslawiens, aus denen noch im vergangenen Sommer viele Flüchtlinge kamen, sind aktuell kaum noch vertreten. Beides schlägt sich auch in den Zugängen im Enzkreis nieder: Aktuell kommen vor allem Familien aus Syrien, dem Irak und aus Afghanistan.

Umfassende Informationen stehen auf www.enzkreis.de/Flüchtlinge zur Verfügung.

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