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18.05.2017

Serie »Der Wald im Enzkreis«, Teil 6: Wald und Wild - Symbiose unter dem Einfluss des Menschen

Der Wald prägt die Landschaft im Enzkreis. Von den ausgedehnten Eichenwäldern im Stromberg bis hinauf in den Nordschwarzwald mit seinen Tannenbeständen bedeckt er etwa 40 Prozent der Kreisfläche. Er dient der Erholung der Bürger, ist Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten und liefert einen einzigartigen nachwachsenden Rohstoff. Der Förster sorgt für einen Ausgleich der verschiedenen Interessen; in einer Serie im Mitteilungsblatt erfahren Sie, was er im Jahreslauf im Wald tut.

Wald und Wildtiere gehören zusammen

Der Wald ist in unserer intensiv genutzten Landschaft der wichtigste Lebensraum für wildlebende Tiere. Er ist das Ökosystem mit der größten Naturnähe, also am wenigsten vom Menschen überprägt. Wald und Wildtiere sind daher zwei Seiten ein und derselben Medaille: Sie gehören zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Wildtiere haben daher auch Einfluss auf die Ziele des Menschen – dabei ist meist das sogenannte Schalenwild gemeint.

Die Tanne - eine typische Baumart im Enzkreis - wird gerne vom Wild angefressen. Besonders Rehe verbeißen die jungen Triebe und Knospen und schädigen den Baum damit massiv.

Schalenwild ist eine Bezeichnung aus der Jägersprache für die bei uns wildlebenden Paarhufer. Dazu zählen neben den Hirschen wie Reh- und Rotwild auch Wildschweine, Mufflons, Gämsen und Steinböcke. Bis auf die allesfressenden Wildschweine sind all diese Arten wiederkäuende Pflanzenfresser. Rehe etwa ernähren sich von jungen Trieben, Knospen und eiweißreichen Pflanzenteilen. Rothirsche bevorzugen faserreichere Kost aus Gräsern, schälen aber mitunter auch die Rinde von Bäumen. Bei den geweihtragenden Hirscharten kommt hinzu, dass sie jedes Jahr den Bast ihrer Geweihe an jungen Bäumen abfegen, wodurch der Baum häufig so stark geschädigt wird, dass er abstirbt.

All diese Einflüsse auf die Waldvegetation sind in der Wildnis normal. Für uns Menschen werden sie dann zu einem Schaden, wenn das Gleichgewicht zwischen Wildbestand und Wald nicht mehr stimmt. Die Folgen zu hoher Wildbestände sind ausbleibende Waldverjüngung, Entmischung der Baumarten – denn sie werden unterschiedlich gern gefressen – oder Fäulnis an geschälten Stämmen bis hin zum Zusammenbrechen ganzer Bestände. Diese Flächen müssen aufwändig wieder aufgeforstet und die Waldverjüngung mit Zäunen geschützt werden.

Hohe Wildbestände haben gravierende Folgen

Der Mensch hat einen Großteil der ursprünglichen Lebensräume unserer Wildarten beseitigt und im Wesentlichen durch Landwirtschaft ersetzt. Dadurch sind die Tiere gezwungen, auch landwirtschaftlich genutzte Flächen als Lebensraum zu nutzen. Die meisten Schalenwildarten kommen damit gut zurecht und profitieren sogar erheblich von dem deutlich erhöhten Nahrungsangebot. Aufgrund dieser günstigen Lebensbedingungen können sich ihre Bestände sehr rasch vermehren.

Hohe Wildbestände haben jedoch gravierende Folgen auch für die Tiere selbst: Sie lösen sozialen Stress aus, begünstigen Krankheiten und Seuchen und führen im Extremfall dazu, dass die Tiere buchstäblich ihre Nahrungsgrundlage wegfressen. Zudem steigt die Zahl der Unfälle im Straßenverkehr – dadurch werden nicht nur Menschen gefährdet, sondern die Tiere verenden meist qualvoll. Aus all diesen Gründen greift der Mensch über die Jagd regulierend ein. Zweck und Ziele der Jagd sind in den Wald- und Jagdgesetzen des Bundes und der Länder festgeschrieben.

Dem Wald und den Förstern kommt eine besondere Verantwortung zu. Ein naturnah bewirtschafteter, strukturierter Wald aus vielen verschiedenen Baumarten bietet dem Wild die besten Lebensbedingungen. Die Förster überwachen den Wildeinfluss in den Wäldern, beraten Waldbesitzer und Jäger zu einer optimalen Bejagung und unterstützen bei der Durchführung. Nach der Ernte im Herbst, wenn sich die Tiere von den Feldern in den Wald zurückziehen, wo sie dann mehr Deckung und Nahrung finden, können sie vor allem mit Drückjagden über einen kurzen Zeitraum störungsarm bejagt werden. Der Staatswald, in dem die Jagd überwiegend in Eigenregie organisiert wird, erfüllt dabei eine Vorbildfunktion.

Übrigens: Das Fehlen von großen Raubtieren wie Wolf, Luchs und Bär hat mit der starken Vermehrung unserer Schalenwildbestände nichts zu tun. Zwar schöpfen sie einen gewissen Teil ihrer Beutetier-Population ab, können sie jedoch nicht regulieren. Vielmehr sind sie am Ende der Nahrungskette abhängig von stabilen Beständen ihrer Beute.

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