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16.03.2016

Flüchtlinge im Enzkreis - Teil 26: Viele Flüchtlinge sind traumatisiert - wie wird ihnen geholfen?

Viele Tausend Menschen suchen zurzeit Zuflucht in Deutschland. Woher kommen diese Menschen, wo und wie werden sie untergebracht, dürfen sie arbeiten und wenn ja, ab wann? Antworten auf diese und zahlreiche weitere Fragen gibt eine Artikelserie, die im Mitteilungsblatt erscheint.

Viele Kinder haben Schreckliches erlebt

Kinder und Jugendliche, die nach manchmal wochenlanger Flucht in Deutschland ankommen, haben Dinge gesehen oder Situationen durchlebt, die wir nur aus den Fernsehnachrichten kennen. Sie mussten vielleicht mitansehen, wie ihr Haus durch eine Bombe zerstört, wie Vater oder Mutter entführt oder gar getötet, wie Geschwister misshandelt wurden. Auch die Flucht selbst war für viele ein lebensgefährliches und traumatisches Erlebnis.

Was machen all diese Bilder in den Köpfen der jungen (und auch der älteren) Flüchtlinge? Psychologen sprechen von „Trauma“ oder von „posttraumatischer Belastungsstörungen“ – dann, wenn Menschen nicht verarbeiten können, was sie erlebt haben. Um das zu schaffen, um die Erfahrungen bewältigen und verarbeiten zu können, brauchen sie Hilfe.

Die psychologische Beratungsstelle des Enzkreises hat dafür ein Angebot entwickelt: „Kinder der Welt integrieren“ (kurz: KiWi). Es bietet Kindern und Jugendlichen vor allem eines: Zeit zum Reden und Zuhören. Dies kann bei Einzelberatungen und Gesprächen mit den Psychologen erfolgen. Noch wichtiger ist die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen wieder Erfolgserlebnisse zu haben und spielerisch Sicherheit zu erleben. Mit Gleichaltrigen in zwei Gruppen in Mühlacker und Pforzheim können diese Kinder auch über die Erlebnisse sprechen – und dabei feststellen, dass man nicht alleine ist mit schwierigen Erfahrungen oder Problemen.

Auch für Eltern und für Ehrenamtliche gibt es Angebote

Nicht selten sind die Flüchtlingseltern mit ihrer Familien- und Lebenssituation überfordert: Sie leben in einem fremden Land, einer anderen Kultur, und kennen die Alltagsregeln (noch) nicht. Familien sind oft auseinandergerissen und wissen nicht, ob und wann ein Wiedersehen mit dem zurückgelassenen Teil der Familie wieder möglich wird: Dies ist für die Kinder und Elternteile die größte Belastung überhaupt. Den ebenfalls oft traumatisch belasteten Eltern bieten die Beratungsstellen des Enzkreises in Pforzheim und Mühlacker deshalb mit Hilfe von Dolmetschern konkrete Unterstützung in Form von Therapie und Beratung.

Für Ehrenamtliche, die zum Beispiel traumatisierte Kinder, Jugendliche oder Erwachsene betreuen, bieten die Beratungsstellen spezielle Informationen. Die Psychologen können zum Beispiel dabei helfen herauszufinden, ob ein Kind durch die Erlebnisse im Herkunftsland, auf der Flucht oder durch das Leben im Exil besonders belastet ist. Zudem können Ehrenamtliche eine Begleitung ihrer Arbeit oder auch Supervision erhalten, also die Möglichkeit, ihre Tätigkeit mit ausgebildeten Fachleuten zu reflektieren.

Informationen zum Angebot KiWi gibt es bei Diana Sebastian in der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Enzkreises in Pforzheim, Tel. 07231 308-70, E-Mail Beratungsstelle.Pforzheim@enzkreis.de. Die Beratungsstelle Mühlacker ist erreichbar unter Tel. 07041 6057, E-Mail Beratungsstelle.Muehlacker@enzkreis.de.

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