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14.05.2020

283 Beschäftigte bei Müller Fleisch genesen - Neuinfektionen in Pforzheim und im Enzkreis auf sehr niedrigem Niveau - »Strategie geht auf«

Gespannt wartet man im Landratsamt auf den Entwurf für einen „Pandemieplan 2.0“, den die Firma Müller Fleisch bis heute (Donnerstag) Abend vorlegen soll und den „wir übers Wochenende intensiv anschauen und prüfen werden“, wie Verbraucherschutz-Dezernent Dr. Daniel Sailer sagt. Bislang habe die Firma die erteilten Auflagen eingehalten. Gerüchte von Mitarbeitern, die entgegen einer Anordnung des Kreises in dieser Woche neu in die Firma gekommen seien, hätten sich bislang nicht bestätigt.

„Bei den von Bad Wildbads Bürgermeister Klaus Mack erwähnten Menschen handelt es sich um Arbeitskräfte, die seit Ende April bei Müller Fleisch arbeiten“, sagt Landrat Bastian Rosenau. Das habe ein Abgleich der Daten ergeben. Alle seien zudem bei der zweiten Reihentestung vergangene Woche auf Corona untersucht worden.

Von den 399 Beschäftigten, die bei Müller Fleisch seit dem 7. April positiv getestet wurden, sind mittlerweile 283, also mehr als 70 Prozent, wieder genesen. Neben den 82 in der vergangenen Woche neu identifizierten Virus-Trägern stehen noch gut 30 aus der ersten Testreihe unter häuslicher Quarantäne oder sind in Hohenwart untergebracht: „Bei ihnen musste die Quarantäne verlängert werden, weil sie noch nicht symptomfrei waren“, wie Gesundheitsamts-Leiterin Dr. Brigitte Joggerst sagt.

Sehr erfreulich ist die Zahl der Neuinfizierten außerhalb des Birkenfelder Fleisch-Betriebs: Sie bewegte sich in den letzten Tagen im niedrigen einstelligen Bereich; je zwei neue Fälle registrierte das Amt am Dienstag und Mittwoch in Pforzheim und dem Enzkreis zusammen. „Diese Zahlen zeigen mehr als deutlich: Unsere Strategie geht auf“, ist Bastian Rosenau überzeugt. Kern dieser Strategie war die Schaffung eines geschlossenen Systems: eine Arbeits-Quarantäne für sämtliche 1.100 Beschäftigten, wobei die nicht Infizierten zur Arbeit gehen, aber weder den ÖPNV nutzen noch einkaufen gehen dürfen. Die Zeit habe man genutzt, um „den Betrieb in Betrieb zu analysieren“, wie Rosenau sagt.

„Dadurch konnten wir wichtige Rückschlüsse auf die Entstehung von Infektionsketten ziehen“, berichtet Dezernent Sailer. Er weist überdies darauf hin, dass „wir mit Personal des Verbraucherschutz- und Veterinäramtes rund um die Uhr bei Müller-Fleisch vor Ort sind.“ Selbstverständlich richte man dabei das Augenmerk derzeit verstärkt auf die hygienischen Zustände.

Rückendeckung erhält das Landratsamt aus dem Sozialministerium ebenso wie aus dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. „Unsere Situation hier ist mit den inzwischen geschlossenen Fleischfirmen in Nord- und Westdeutschland kaum vergleichbar“, sagt auch Landrats-Vize Wolfgang Herz, zu dessen Dezernat das Gesundheitsamt gehört. Dieses habe sich mit den Kollegen in Coesfeld und Bad Segeberg ausgetauscht, nachdem dort jüngst Betriebe geschlossen worden waren. „Dort passiert jetzt, was wir vor drei Wochen erlebt haben“, so Herz.

Mit dem Pandemieplan 2.0 bei Müller Fleisch verbindet man im Kreishaus die Hoffnung auf einen generellen Richtungswechsel in der Fleischindustrie: „Wir müssen nachhaltig denken und brauchen eine langfristige Lösung, damit das gleiche nicht in sechs Monaten wieder passiert“, hatte Landrat Rosenau schon Anfang der Woche gesagt und dabei ausdrücklich die Unterbringungs-Situation eingeschlossen: „Wir wissen, dass die Wohnverhältnisse die Infektionsketten fördern.“

Allerdings gebe die Gesetzeslage in Baden-Württemberg den Kommunen – anders als in anderen Bundesländern – nur wenig Handhabe, um einzuschreiten. Wenn es jedoch eine Möglichkeit gebe, dann tue man auch etwas: „In dieser Woche haben wir die Schließung einer Gemeinschaftsunterkunft in einer Kreis-Gemeinde angeordnet“, sagt Wolfgang Herz. Dort, so hatte sich herausgestellt, lebten 30 Menschen in einem einzigen älteren Einfamilienhaus. Für sie müssen die Subunternehmer nun bis spätestens kommenden Montag eine neue Bleibe gefunden haben..

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