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10.10.2019

Wald im Klima-Stress: Forstamt lädt zum »Runden Tisch«

Ausgelöst durch die Witterung des Jahres 2018 mit Stürmen, lang andauernden Hitzeperioden und Dürre sind in Baden-Württemberg ebenso wie in ganz Mitteleuropa in großem Umfang Schäden in den Wäldern aufgetreten. Auch im Enzkreis kann man stellenweise mit bloßem Auge erkennen, dass es dem Wald nicht gut geht. Das Forstamt des Enzkreises lud deshalb Akteure und Multiplikatoren zu einem Runden Tisch ein, um über die aktuellen Strategien zu informieren.

„Unsere wichtigste Laubbaumart, die Rotbuche, fällt derzeit auf bestimmten Standorten in Folge von Trockenstress vermehrt aus“, schilderte Forstamtsleiter Frieder Kurtz die Lage. Fichten könnten wegen des Wassermangels nicht mehr genügend Harz bilden, um sich gegen Borkenkäfer zur Wehr zu setzen; und die Esche leide unter einer eingeschleppten Pilzerkrankung. Alle diese Schäden seien im Wald sehr sichtbar. „Von einem Waldsterben wie in den 80er-Jahren kann jedoch keine Rede sein“, betonte Kurtz. „Der Wald stirbt nicht – sich verändernde Klimabedingungen zwingen ihn aber zu Veränderungen“.

Bereits in den vergangenen Jahrzehnten habe sich der Wald verändert, so Kurtz. Wie die Bundeswald-Inventuren zeigten, habe der Nadelholzanteil seit der ersten Inventur im Jahr 1987 von 52 auf 36 Prozent abgenommen, während heimische Laubbäume im selben Umfang zugelegt hätten. „Die erfolgreichen Anstrengungen der Forstleute, vielfältige Mischwälder nach standörtlichen und ökologischen Gesichtspunkten zu entwickeln, werden in diesen Zahlen sichtbar“, betont der Forstamts-Chef.

Buche und Schwarzkiefer
Gut gepflegte Bäume bilden nicht nur große Kronen, sondern auch große Wurzeln; das erleichtert den Bäumen die Wasseraufnahme - wichtig gerade in längeren Trockenperioden.

Deutlich gestiegen ist im Enzkreis seit 1987 die Zahl starker und dicker Laubbäume. „Vor allem alte Buchen auf trockenen Standorten werden derzeit leider schnell von Altholz zu Totholz“, haben Kurtz und seine Mitarbeiter beobachtet. Auf die Frage, ob man auf solchen Flächen nicht Baumarten pflanzen könne wie den Baumhasel, die an solche Bedingungen besser angepasst sind, reagiert Kurtz eher zurückhaltend: „Es fehlen uns Praxiserfahrungen auf den hiesigen Standorten, und einige der Arten, die in Frage kommen könnten, sind nach dem Forstvermehrungsgut-Gesetz noch nicht zugelassen.“ Deshalb könne er momentan keinem Waldbesitzer zu einem Anbau auf großer Fläche raten.

Besser sei es, weiterhin auf Naturverjüngung zu setzen und dabei trockentolerante Baumarten wie Eichen, Elsbeeren, Speierlinge, Nussbäume, Douglasien oder Hainbuchen zu pflegen und zu fördern. Das werde man auch den Vertretern der Gemeinden im nördlichen Enzkreis raten, wenn demnächst die Forsteinrichtung anstehe. Dabei wird nach den Zielvorstellungen der Waldbesitzer ein Plan erstellt, der Grundlage für die Betreuung und Bewirtschaftung des Waldes im kommenden Jahrzehnt darstellt.

Ein Baumleben ist länger als ein Menschenleben – deshalb, so Kurtz, sei die Anpassung des Waldes an das Klima eine Generationenaufgabe. Heute gelte es, gemäß dem gesetzlichen Auftrag den Wald vor Schadorganismen wie dem Borkenkäfer zu schützen. Um dessen Ausbreitung zu verhindern, habe das Forstamt eine Strategie erarbeitet, um befallenes Holz unschädlich zu machen. In erster Linie müsse dieses gefällt und außerhalb des Waldes gelagert werden, damit schlüpfende Käfer keine gesunden Bäume erreichen können. Finanzielle Erwägungen spielten dabei keine Rolle, wie Marco Heinrich betonte. Der Revierleiter bekommt diesen Vorwurf zwar immer wieder von Waldbesuchern zu hören, aber: „Der Nadelholz-Markt ist derzeit mit Schadholz überschwemmt, so dass sich diese Maßnahme überhaupt nicht lohnt.“

„Wenn alle anderen Maßnahmen nicht greifen, kommt auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Betracht – aber wirklich erst dann“, versprach Kurtz den anwesenden Vertretern des Naturschutzes.

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