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09.07.2019

Enzkreis-Gemeinden informieren sich über Barrierefreiheit im Internet: Von September an müssen Webangebote öffentlicher Stellen barrierefrei gestaltet sein


Experte in eigener Sache: Michael Frey (Inklusionsbeirat Enzkreis/Stadt Pforzheim) demonstrierte, was ihm die Nutzung des Internets erschwert oder unmöglich macht. Zuvor hatte Simone Lerche vom Projekt »BIK für Alle« Wege zur Umsetzung von Barrierefreiheit aufgezeigt.

„Stellen Sie sich vor, Sie bauen ein Hochhaus mit tollem Design und hochmoderner, nachhaltiger Haustechnik – aber ohne Aufzug.“ Genauso sei es, wenn Online-Angebote für Menschen mit Behinderung nicht zugänglich seien – beispielsweise, weil diese schlecht oder gar nicht sehen oder hören oder weil sie die Maus nicht bedienen können. Mit diesem Vergleich stimmte Landrat Bastian Rosenau die Teilnehmer der Info-Veranstaltung „Wege zur barrierefreien Kommune“ ein und betonte, dass gerade Menschen mit Behinderung von der Digitalisierung enorm profitieren können – vorausgesetzt die Webangebote seien barrierefrei.

Organisiert hatten die Veranstaltung für die kreisangehörigen Städte und Gemeinden die Behindertenbeauftragte Anne Marie Rouvière-Petruzzi und Jana Schilling von der Sozialplanung des Enzkreises. Sie griffen damit die aktuelle Rechtslage auf: Ab September müssen sich alle öffentlichen Stellen um die barrierefreie Gestaltung ihrer Webangebote und Apps kümmern. Grundlage ist eine EU-Richtlinie, die mittlerweile in deutsches Recht umgesetzt und auch im Landes-Behindertengleichstellungsgesetz verankert ist.

Einführend stellte Monika Tresp das Angebot der Fachstelle Inklusion des Gemeindetags Baden-Württemberg vor. Seit 2014 berät sie Städte und Gemeinden zur Umsetzung der Inklusion vor Ort. „Bisher haben sich immer passgenaue Lösungen gefunden“, sagte Tresp. Die Fachstelle stehe den Kommunen auch im Hinblick auf die Schaffung einer barrierefreien digitalen Infrastruktur beratend zur Seite.

Welche Standards und Fristen bei der Umsetzung eingehalten werden müssen und welche Kontrollmechanismen vorgesehen sind, erläuterte Simone Lerche, Referentin des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Projekts „BIK für Alle“ (Barrierefrei Informieren und Kommunizieren). Sie zeigte den Bürgermeistern und Vertretern der Gemeinden zudem effiziente Wege zur Umsetzung von Barrierefreiheit bei sich in der Kommune auf und gab ihnen zahlreiche Handlungsempfehlungen und Leitfäden an die Hand.

Praktische Impulse lieferte Patrick Alberti, Behindertenbeauftragter des Rhein-Neckar-Kreises. Neben Tipps zur Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente betonte er, dass man bei der Gestaltung des Internetauftritts auch immer die „Leichte Sprache“ sowie die „Gebärdensprache“ mitdenken müsse.

„Von barrierefreien Webangeboten profitieren alle“

Anschließend konnten sich die Teilnehmer in die Perspektive eines blinden Nutzers hineinversetzen: Michael Frey, Mitglied im Inklusionsbeirat Enzkreis/Stadt Pforzheim und Bezirksgruppenleiter des Badischen Blinden- und Sehbehinderten-Vereins, demonstrierte mit einem sogenannten Screen Reader, wie er das Internet im Alltag nutzt – und wo er auf Barrieren stößt. Screen Reader lesen dem Nutzer die Inhalte der Web-Seiten vor. Deshalb müssten Bilder oder Grafiken immer mit einem Alternativtext versehen sein, der erklärt, was auf ihnen zu sehen ist. „Eine Homepage sollte durchgehend über die Tastatur bedienbar sein“, forderte Frey zudem.

„Um die vielfältigen Barrieren zu erkennen, ist der Austausch mit Betroffenen als Experten in eigener Sache unabdingbar“, unterstrich Rouvière-Petruzzi. Allerdings würden nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Nicht-Muttersprachler oder ältere Menschen von barrierefreien Webangeboten profitierten. Deshalb sei Barrierefreiheit – egal ob beim Bauen, in der Mobilität, in den Medien oder in der Kommunikation – kein Extra, sondern „eine zentrale Voraussetzung für Inklusion und damit für gesellschaftliche Teilhabe.“

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