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Datum: 24.11.2025

Wie können Menschen mit Behinderung in kommunale Planungen einbezogen werden? - Schulung im Landratsamt zeigt Barrieren und Lösungen

Wie können Menschen mit Behinderung möglichst frühzeitig und umfassend in kommunale Planungen einbezogen werden? Auf welche Barrieren stoßen sie dabei? Wo hat die Beteiligung bereits gut funktioniert? Und wie kann der Enzkreis, eine Stadt oder Gemeinde Menschen mit Behinderung motivieren, sich aktiv an der Gestaltung von Strukturen und Angeboten in ihrem Quartier zu beteiligen?

Diese und viele weitere Fragen standen dieser Tage im Mittelpunkt einer halbtägigen Schulung im Landratsamt Enzkreis. Und die Themen schienen einen Nerv getroffen zu haben - jedenfalls konnte sich Anne Marie Rouvière-Petruzzi, die „Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung“ und Organisatorin der Schulung, angesichts von rund 40 Teilnehmenden über einen sehr gut belegten Saal freuen.

Doch nicht nur im Zuhörerraum, auch auf dem Podium hatten zahlreiche Menschen mit Behinderung Platz genommen; sie alle haben eine dreijährige Qualifizierung zur Bildungsfachkraft absolviert und sind nun am Annelie-Wellensiek-Zentrum für Inklusive Bildung (AW-ZIB), einer wissenschaftlichen Einrichtung und Inklusionsabteilung der Pädagogischen Hochschule, tätig. In diesem Rahmen geben sie als Expertinnen und Experten in eigener Sache ihr Erfahrungswissen vor allem an Lehramtsstudierende weiter.

„Menschen mit Behinderung sollen aktiv an Entscheidungsprozessen beteiligt werden und wir möchten dies hier vor Ort mit Leben füllen“, erläutert Rouvière-Petruzzi die Hintergründe der Veranstaltung. Unterstützt wurde sie bei der Umsetzung von den Bildungsfachkräften des AW-ZIB, die für Kommunen ein spezielles Fortbildungsangebot entwickelt haben: Es ermöglichte nun Vertreterinnen und Vertretern der verschiedensten Fachbereiche im Landratsamt - etwa aus dem Jugendamt, dem Forstamt, der Wirtschaftsförderung, der Sozialplanung, der Gleichstellung und dem Gesundheitsamt - aber auch Mitgliedern des Inklusionsbeirates Enzkreis/Stadt Pforzheim, vielfältige Impulse und Denkanstöße rund um die Themen „Partizipation, Barrieren und Barrierefreiheit im Quartier“ mitzunehmen.

„Wir als Verwaltung tragen eine besondere Verantwortung, dass Menschen mit Behinderung an wichtigen Planungsprozessen wie bei der Schaffung von neuen Wohnangeboten, der Entwicklung von Maßnahmen im Bereich der Wirtschaftsförderung oder auch des Bevölkerungsschutzes beteiligt werden – und zwar in einem Dialog auf Augenhöhe“, betonte Landrat Bastian Rosenau, der es sich ebenfalls nicht hatte nehmen lassen, an der Schulung teilzunehmen. Davon abgesehen, dass Beteiligung ein zentraler Baustein lebendiger Demokratie sei, fördere sie zudem das Miteinander, stärke das Vertrauen in Verwaltung und Politik und sorge für eine größere Akzeptanz bei politischen Entscheidungen und für bessere, nachhaltigere Lösungen, so der Kreischef.

„Doch damit sich Menschen mit Behinderung überhaupt aktiv an kommunalen Planungen beteiligen können, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein, wie etwa leicht zugängliche Materialien, verständlich verfasste Informationen und barrierefreie Räumlichkeiten“, ergänzt Rouvière-Petruzzi, die sich abschließend bei allen Teilnehmenden, insbesondere auch beim Inklusionsbeirat für die vielfältigen Diskussionsbeiträge und das Engagement bedankte – ebenso wie bei der Quartiersakademie mit Sitz in Stuttgart, die dieses Angebot für Kommunen aus Landesmitteln finanziert hatte.