Landrat besucht Betriebe in Kämpfelbach: Grüne Handwerkskunst und Präzision aus einer Hand
Handwerk mit Herz, Digitalgeist und Präzision – das erlebte Landrat Bastian Rosenau bei seinen jüngsten Firmenbesuchen in Kämpfelbach. Gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Maag, Enzkreis-Wirtschaftsförderer Jochen Enke sowie Vertretern des Jobcenters und des Hochform Clusters besuchte er zwei Unternehmen, die mit Qualität und Spezialisierung weit über die Gemeindegrenzen hinaus überzeugen: die AKZENTE Garten- und Landschaftsbau GmbH und die Rückher GmbH.
AKZENTE Garten- und Landschaftsbau – Drei Generationen, ein grünes Versprechen
Besondere Umstände begleiteten den Besuch bei der AKZENTE Garten- und Landschaftsbau GmbH in Bilfingen: Senior-Chef Kurt Wickenhäuser ließ es sich an seinem 71. Geburtstag nicht nehmen, die Delegation persönlich zu empfangen – eine Geste, die den tiefen Bezug des Firmengründers zu seinem Lebenswerk eindrucksvoll unterstrich. Die Ursprünge des Unternehmens liegen in der elterlichen Gärtnerei von Kurt Wickenhäuser, und seit der Gründung im Jahr 2003 hat sich AKZENTE zu einem etablierten Garten- und Landschaftsbaubetrieb zwischen Pforzheim und Karlsruhe entwickelt.
2026 wurde die Nachfolge erfolgreich geregelt: Jana Wickenhäuser, Tochter des Gründers, und Fabio Schönthaler, ein ehemaliger Auszubildender des Betriebs, übernahmen gemeinsam die Geschäftsführung. Damit stehen heute drei Generationen in der Betriebsleitung. Aktuell beschäftigt das Unternehmen rund 20 Mitarbeitende, darunter drei Auszubildende. Das Leistungsspektrum reicht von Gartenplanung und Neubau über Naturstein- und Terrassenarbeiten bis hin zu Teich- und Bewässerungsanlagen sowie Dachbegrünungen. Grünpflege ist dabei der häufigste Auftrag – noch vor dem Neubau. Zunehmend gefragt ist auch die Sparte Poolbau. Rund 80 Prozent der Kunden sind Privathaushalte, 20 Prozent Industrie- und Gewerbebetriebe. AKZENTE biete ihnen eine professionelle Planungsleistung, die das Unternehmen von einfachen Hausmeisterdiensten klar abgrenze, und eine realistische Kostenplanung ohne spätere unliebsame Überraschungen.
Auch technisch geht AKZENTE laut Schönthaler eigene Wege: Mitarbeitende arbeiten auf Baustellen mit Tablets, über die Kundenaufträge und Baudaten digital mit dem Büro ausgetauscht werden. Branchensoftware ist bereits im Einsatz, GPS-basierte Messdatenlösungen werden geprüft. Besonderes Alleinstellungsmerkmal: Als einer der wenigen Betriebe der Region setzt AKZENTE auf Kraneinsatz auf Baustellen – ideal für Hanglagen oder schwer zugängliche Gartenbereiche hinter Wohngebäuden.
Rückher GmbH – Präzisionswerkzeugbau mit Zukunft
Beim zweiten Firmenbesuch an diesem Tag empfing die Rückher GmbH in Ersingen die Delegation. Betriebsleiterin Cerstin Schütze und Fabian Rückher führten durch das 1981 von Jürgen Rückher gegründete und 2013 an Thomas Rückher übergebene Unternehmen, das sich auf Präzisionswerkzeugbau spezialisiert hat. „Mit Fabian stehen wir in den Startlöchern für die nächste Generation", wie Cerstin Schütze betonte.
Aktuell beschäftigt die Rückher GmbH rund 30 Mitarbeitende. Das Leistungsspektrum umfasst Folgeverbund-, Stanz-, Biege- und Spritzguss-Werkzeuge sowie Reparatur und Wartung – von der Konstruktion bis zur Qualitätsprüfung in klimatisierten Messräumen. Das Unternehmen war zuletzt auch auf der Stanztec-Fachmesse in Pforzheim vertreten. Das klare Geschäftsmodell hebe Rückher laut Cerstin Schütze dabei von der Konkurrenz ab: „Wir machen nur Werkzeug – wir stanzen nicht selbst.“
Gleichwohl stehe das Unternehmen vor schwierigen Marktbedingungen: Ausländische Billiganbieter drücken die Preise, während die eigenen Kosten für Löhne, Energie und Rohstoffe steigen. „Wir sind zum Glück breit aufgestellt und in vielen Branchen zuhause – aber wir müssen um jeden Auftrag kämpfen", so die Betriebsleiterin.
Gemeinsame Herausforderung: Fachkräfte und Bürokratie
Beide Unternehmen eint eine zentrale Herausforderung: die Gewinnung von Fach- und Nachwuchskräften. „Man müsste annehmen, dass aktuell mehr Bewerber auf dem Markt sind – aber davon spüren wir nichts", wie Cerstin Schütze berichtete. Auch Auszubildende seien zunehmend schwer zu finden. Durch den demographischen Wandel scheiden in den kommenden Jahren zudem mehr ältere Mitarbeitende aus dem Betrieb aus. Laut Jana Wickenhäuser gelänge es AKZENTE trotz allem immer wieder, Fachkräfte zu gewinnen – wohl vor allem dank der Bekanntheit des Unternehmens in der Region.
Landrat Rosenau berichtete, dass der Enzkreis derzeit aktiv daran arbeite, für Jugendliche mehr Praxiseinblicke in Betriebe zu ermöglichen. Herbert Wackenhut vom Hochform Cluster führte ergänzend die Möglichkeiten von Lehrwerkstätten als Instrument zur Qualitätsverbesserung in der Ausbildung an – ein Ansatz, der gerade für spezialisierte Betriebe wie Rückher interessant sein könnte. Die Wirtschaftsförderung des Enzkreises bot in beiden Firmengesprächen konkrete Unterstützung in den Bereichen Fachkräftegewinnung, Vertrieb und Erschließung neuer Märkte an.
„Diese Firmenbesuche sind unverzichtbar, um die Vielfalt und Stärke unserer lokalen Wirtschaft hautnah zu erleben – und um zu hören, wo bei den Firmen der Schuh drückt", wie Rosenau abschließend betonte. Auch Bürgermeister Thomas Maag unterstrich die Bedeutung des direkten Austauschs: „Der Kontakt zu unseren Unternehmen ist die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Landkreis und lokaler Wirtschaft. Auf unsere Betriebe können wir jedenfalls sehr stolz sein." (enz)