Historische Schätze im Kreisarchiv: Brandversicherungs-Unterlagen des Enzkreises ab sofort für die Öffentlichkeit nutzbar
Einzigartige Einblicke in die regionale Bau-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sind ab sofort für alle Bürgerinnen und Bürger im Kreisarchiv des Enzkreises zugänglich. „Ob für die Erforschung des eigenen historischen Hauses oder für wissenschaftliche Projekte: wir laden alle Interessierten herzlich ein, diesen landeskundlichen Schatz zu heben und die Geschichte der Gemeinden und ihrer Gebäude neu zu entdecken“, sagt Konstantin Huber, der Leiter des Kreisarchivs.
Nach dem Ende des gesetzlichen Versicherungsmonopols wurden die historischen Unterlagen der ehemaligen badischen Gebäudeversicherungsanstalt und. der württembergischen Gebäudebrandversicherung schrittweise an das Archiv übergeben. Inzwischen sind die gesetzlichen Sperrfristen abgelaufen und die für das heutige Enzkreis-Gebiet relevanten Unterlagen können eingesehen und ausgewertet werden.
Im Fokus stehen dabei die württembergischen Feuerversicherungsbücher. Die teilweise bis 1872 zurück- und meist bis in die 1970er Jahre reichenden Bände besitzen einen unschätzbaren Quellenwert für die Heimat- und Bauforschung. Akribisch listen sie historische Gebäudenummern, frühere Eigentümer und teilweise präzise Details zur Bauart auf – etwa ob Wände aus Stein oder Fachwerk bestanden und ob das Dach mit Ziegeln oder vielleicht feuergefährlichem Stroh gedeckt war. Da auch spätere Besitzerwechsel und bauliche Veränderungen über Jahrzehnte hinweg nachgetragen wurden, lässt sich die Entwicklung einzelner Häuser im Enzkreis lückenlos nachvollziehen.
418 Einzelbände sortiert und erschlossen
Der Auszubildende Nico Kallfass sortierte zunächst den 418 Einzelbände umfassenden Bestand. Im letzten Jahr erfolgte die archivische Erschließung mittels einer Datenbank durch Konstantin Huber, die Praktikantin Naemi Ott und Archiv-Mitarbeiter Simon Kretz. Dessen Kollegin Nicola Ratz leistete nun die Endbearbeitung, also Etikettierung, Verpackung und finale Einlagerung in die klimatisierten Archivräume.
Aus dem ehemals badischen Kreisteil verwahrt das Kreisarchiv die sogenannten Einschätzungsakten. Weitgehend vollständig erhalten sind diese für den historischen Baubestand, also die Ortskerne der ehemals badischen Enzkreis-Gemeinden (Bestand L 1A). Für neuere Wohngebiete existiert eine rein digitale Archivierung in Auswahl (L 3). Als Findmittel können Excel-Tabellen genutzt werden. (enz)