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08.02.2019

Sprung ins kalte Wasser gemeinsam erfolgreich gemeistert: Schwimmkurse nicht nur bei geflüchteten Kindern beliebt

Mini-Pause am Beckenrand: Zeit, um sich kennenzulernen und miteinander zu lachen.

Sie heißen Mohammed und Alexander, Fatma und Johanna – in drei Schwimmkursen, die das Landratsamt Enzkreis über das Landesförderprogramm „Gemeinsam in Vielfalt“ initiiert hat, steht über 50 Kindern aus aller Herren Länder das Wasser schnell bis zum Hals; und das sehr zum Vergnügen der Teilnehmer zwischen vier und 14 Jahren, die sich bei den Betreuern vom Verein Wasserfreunde Mühlacker 1920 e.V., sicher aufgehoben fühlen.

Im Foyer des Hallenbades geht es seit Januar jeden Sonntagnachmittag hoch her. Hier startet der Mädchenschwimmkurs, der erste von insgesamt drei Kursen, in denen deutsche Kinder, Kinder mit Migrationshintergrund und geflüchtete Kinder gemeinsam für das Seepferdchen-Abzeichen üben.

Wer ist da, wer fehlt, wer hat sich entschuldigt? Nach der Kontrolle der Anwesenheit, geht es im flotten Tempo in die Sammelumkleide. Für manches Mädchen und manche Mama ist der Trennungsschmerz am Eingang die erste Hürde. Für Schwimmlehrerin Franziska Ott nichts Neues. Schließlich betreut sie jede Woche mehrere Schwimmkurse. Und sie bleibt hart: Eltern müssen draußen bleiben, erst beim Abholen dürfen sie ihren Nachwuchs bei der Fönprozedur unterstützen. „Wenn Mütter mit in die Kabine kommen, gibt es erfahrungsgemäß mehr Durcheinander und das Umziehen dauert viel länger“, erläutert Ott und wirbt auch aus Sicht der Kinder um Verständnis: „Viele Kinder macht es nervös, wenn die Eltern zusehen.“

Eins, zwei, drei – Treppenstufe für Treppenstufe setzen sich die Kinder zu Beginn der Stunde immer tiefer ins Wasser, bis nur noch der Kopf herausschaut, von Aufregung kaum eine Spur. Auch die ersten Übungen meistern alle souverän. Mal werden nur die Arme bewegt, dann wieder nur die Beine. Immer geben Ott und ihre Helferinnen sicheren Halt. Spannend wird es dann beim ersten Sprung ins Wasser: Die eine traut sich allein, die andere greift beim ersten Mal doch noch nach der ausgestreckten Hand der Betreuerin - sicher ist sicher. Das Erfolgserlebnis schmälert die kleine Hilfestellung nicht, der zweite Schritt vom Beckenrand ins Nass klappt schon besser, und an der Rutsche gibt es kein Halten mehr. Wenig Begeisterung löst dagegen ein anderes Erlebnis aus: Manch einer macht erstmals die unliebsame Bekanntschaft mit Wasser in der Nase.

Volle Bank: Für die Schwimmkurse, die durch das Landes-Förderprogramm »Gemeinsam in Vielfalt III« ermöglicht wurden, gab es eine große Nachfrage.

Die Mütter können dem munteren Treiben vom Foyer des Hallenbades aus zusehen und sich so die Wartezeit verkürzen. Das Nachsehen haben während des ersten Kurses männliche Begleiter. Väter, Brüder und Freunde werden vor die Tür gesetzt – Regenwetter hin oder her. Schließlich handelt es sich um einen Mädchen-Schwimmkurs. Der Weg zum Café ist nicht weit, und wird Ortsunkundigen auch gerne erläutert.

Viele Teilnehmer kommen aus Mühlacker, es gibt auch einige, die längere Anfahrten in Kauf nehmen, aus Tiefenbronn werden geflüchtete und deutsche Kinder in einer Fahrgemeinschaft gebracht.

„Das ist eine der Ideen, die hinter dieser Initiative steht. Es sollte ein Angebot nicht nur für geflüchtete Menschen sein, sondern für alle Nichtschwimmer. Kinder können zusammen lernen, sich dabei gegenseitig kennenlernen und darüber hinaus das Prinzip „Verein“ erleben“, erklärt Isabel Hansen, Integrationsbeauftragte des Enzkreises, die das Projekt zusammen mit ihrer Kollegin Andrea Thielbeer angeschoben hat.

Als Kooperationspartner mit an Bord sind der Verein Wasserfreunde e.V. als Organisator sowie die Stadt Mühlacker mit der kommunalen Flüchtlingsbeauftragten Sabine Rabl, die das Angebot vor Ort kommuniziert und die Werbetrommel gerührt hat. Mit durchschlagendem Erfolg: Bereits vor Weihnachten waren die Kurse ausgebucht. „Es gibt jetzt schon viele Anfragen für Nachfolgekurse. Und auch einige Mütter würden gerne Schwimmen lernen“, berichtet Franziska Ott von den Wasserfreunden 1920 e.V.

„Mit diesem Interesse im ersten Anlauf hätten wir nicht gerechnet. Die Nachfrage ist Bestätigung, wie wichtig das Angebot ist und ein Ansporn, weiterzumachen“, so Integrationsbeauftragte Hansen.

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