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06.10.2017

Blick über den Tellerrand: EU-Projekt zur Integration von Flüchtlingen - Von schwedischen Erfahrungen lernen

Kollegen aus Europa, die im Projekt INTED Beispiele für gelingende Integration diskutieren - zum Beispiel das Gardshuset im schwedischen Linköping.

Mit einem großen Koffer voller Eindrücke und ein paar sehr konkreten Ideen sind die Teilnehmer am EU-Projekt INTED aus dem schwedischen Linköping zurückgekehrt. Inzwischen prüfen die Mitglieder der Enzkreis-Projektgruppe, welche der Maßnahmen sich übertragen lassen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der schulischen und beruflichen Bildung.

INTED beschäftigt sich mit der Integration von Migranten und der Versorgung traumatisierter Flüchtlinge. Nach dem Auftakt-Workshop im Enzkreis fand das zweite Treffen in Schweden statt. „Man muss natürlich die unterschiedlichen Strukturen berücksichtigen“, sagt Isabel Hansen, Integrationsbeauftragte im Landratsamt. Durch den traditionell starken Fokus auf frühe und konsequente Integration stünden in Schweden heute ganz andere Ressourcen der Integration zur Verfügung. „Es gibt viele zweisprachige Lehrkräfte, Migranten sind Brückenbauer der Kulturen oder schlicht lebendes Symbol für die Chancen, die Migranten haben – da haben wir Aufholbedarf“, meint Hansen.

Dennoch hat die Gruppe viele Impulse mitgebracht, die nun auf ihre Machbarkeit geprüft werden sollen. Beispiel „IT-Guide“: Junge Flüchtlinge unterrichten ältere Menschen an PC, Tablet und Smartphone. „Dafür werden sie zunächst selbst geschult, und sie müssen natürlich die Sprache beherrschen“, berichtet Valentin Damm, der die Bildungsmaßnahmen für Flüchtlinge im Enzkreis koordiniert. Danach werden die jungen Leute dort eingesetzt, wo sich Ältere ohnehin treffen: in Begegnungsstätten oder Bibliotheken. Für ihren Einsatz erhalten sie ein Honorar. Als Nebeneffekt könne das Projekt Vorurteile auf beiden Seiten abbauen, so Damm.

Beispiel Brückenbauer: Die Stadt Linköping setzt Mitarbeiter, die selbst einen Migrationshintergrund haben, gezielt als Mediatoren, Kulturmittler oder auch als Dolmetscher ein. „Diese Menschen haben natürlich alleine durch ihre Herkunft und die Sprache einen sehr guten Stand bei den Familien und den Jugendlichen“, hat Ruben Leonhard vom IB erfahren. „Gleichzeitig sind sie in Schweden gut integriert und können die Werte des Landes entsprechend glaubwürdig vertreten.“

Markus Weiß, Flüchtlingsbeauftragter der Gemeinde Kämpfelbach, in der von ihm eingerichteten Fahrradwerkstatt.

Eine ganz konkrete Idee hat Markus Weiß, Flüchtlingsbeauftragter der Gemeinde Kämpfelbach, bereits umgesetzt: In seiner Fahrradwerkstatt, aber auch im Büro kleben kleine Zettel auf sämtlichen Werkzeugen und Gegenständen des täglichen Gebrauchs. Auf sie hat er das deutsche Wort für Zange, Hammer oder Telefon geschrieben. „Ist einfach, kostet nicht viel – hilft aber beim Deutschlernen“, ist Weiß überzeugt.

Ungleich schwerer ist eine andere Maßnahme umzusetzen: In Schweden lernen die Kinder von Migranten natürlich zunächst Schwedisch und besuchen dann ganz normal die Schule – sie erhalten aber auch Unterricht in ihrer Muttersprache. „Zahlreiche Studien zeigen, dass Kinder, die ihre eigene Sprache gut beherrschen, eine neue viel leichter erlernen“, erklärt Thomas Gustorff, Leiter der Erziehungsberatungsstelle des Enzkreises in Pforzheim. Allerdings ist das zumindest in Baden-Württemberg Zukunftsmusik. In anderen Bundesländern wird muttersprachlicher Unterricht dagegen durchaus angeboten.

Am Projekt INTED, das von der EU gefördert wird, nehmen Fachleute aus Schweden, Italien, Kroatien, Österreich und aus dem Enzkreis teil. INTED steht für „Integration through Education“, also etwa „Integration durch Bildung“. Die nächste Konferenz findet im November in Kroatiens Hauptstadt Zagreb statt. Schwerpunktthema wird dort die Betreuung und Versorgung von traumatisierten Flüchtlingen sein.

Ein Beispiel aus Schweden hat Markus Weiß sofort übernommen: Werkzeug und Alltagsgegenstände in der Fahrradwerkstatt sind mit den deutschen Namen gekennzeichnet.

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