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Klimapartnerschaft


Die nachfolgend aufgeführten Projekte (Biogas- und Solarstromanlagen, Umweltbildungszentrum) wurde mit unterschiedlichen Fördermaßnahmen von der Engagement Global gGmbH gefördert:


Der Enzkreis unterhält seit 2011 eine Klimapartnerschaft mit dem Masasi Distrikt sowie der Stadt Masasi im Süden Tansanias in Kooperation mit der „Servicestelle Kommune in der Einen Welt“ (SKEW). Im Juli 2020 konnte diese in eine kommunale Partnerschaft überführt werden, nachdem die Full Council Meetings des Distriktes sowie der Stadt und der Kreistag im Juli jeweils einstimmig zugestimmt haben. Da 2020 keine Reisen möglich waren, wurde die Partnerschaftsurkunde erneut bei einem Besuch im September 2022 erneuert und gemeinsam im Landratsamt Enzkreis unterschreiben.

Die Partnerschaftsurkunde ist im Sinne der Agenda 2030 formuliert, nachdem ein gemeinsamer Fachaustausch im Frühjahr 2020 in Masasi zu dem Thema stattgefunden hatte, bei dem die Details diskutiert wurden. 

Einrichtung von Biogasanlagen

Bereits 2013 konnten auf Basis eines gemeinsamen Handlungsprogramms die ersten beiden Nakopa-Projeke (Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partnerschaftsprojekte) in Angriff genommen werden. Zum einen wurden in Zusammenarbeit mit dem „Tanzanian Domestic Biogas Programme“ insgesamt vier Biogasanlagen in Masasi Stadt und im Distrikt errichtet. Dabei handelt es sich um einfache, gemauerte Anlagen, die täglich direkt mit Kuhdung befüllt werden. In einem unterirdischen Gasdom bildet sich das Methangas, das über Leitungen direkt in die Küchen geleitet und zum Kochen verwendet wird. Voraussetzung für den Betrieb ist die Haltung von Tieren vor allem Rindern, deren Dung nach der Vergärung einen hochwertigen Dünger abgibt.

Die größte Biogas-Anlage mit 50 m³ Fassungsvolumen steht bei der Ndwika Secondary School im Distrikt. In dem Mädchen-Internat führen die Gasleitungen auch direkt in die Küche und sorgen so dafür, dass weniger Feuerholz zum Kochen verwendet wird.

Solarstrom für Masasi

Bereits im zweiten Nakopa- Projekt 2013 wurde auf einem Dach des Mkomaindo Hospital in Masasi eine Solarstromanlage mit einer Leistung von 4,8 kWp errichtet. Diese als Backup-System installierte PV-Anlage versorgt seitdem zuverlässig einen kleinen Bereich des Krankenhauses wie die ehemalige Neugeborenenstation und ein Aufwachraum nicht nur bei den regelmäßig vorkommenden Stromausfällen mit elektrischem Strom. Zu dem ersten Projekt gehörte auch die Fortbildung von 12 Technikern zu Solartechnikern.

Da die ersten beiden Projekte sehr positiv verlaufen waren, wurden gemeinsam beim „Renewable Energy Day“ im Juli 2015 in Masasi, der von unserem Projektpartner TAREA (Tanzanian Renewable Energy Assosciation) aus Dar es Salaam organisiert worden war, die nächste Projektphase eingeläutet. Auf Wunsch der beiden Verwaltungen in Masasi wurde ein FKKP-Projekt (Förderprogramm für kommunale Klimaschutz- und Klimaanpassungsprojekte) bei der Engagement Global mit Mitteln des BMZ beantragt. Ziel war es, insgesamt 27 Gesundheitsstationen in Masasi mit Solarstromanlagen auszustatten. Das Projekt lief von 2016 bis 2018. Nach dessen Abschluss waren dann letztendlich 27 Gesundheitsstationen samt Nebengebäuden (Wohnhäuser des medizinischen Personals) sowie zwei neu gebaute Health Centres mit insgesamt 76 kleinen Solarstromanlagen ausgestattet.

Wie schon beim Nakopa-Projekt konnten weitere 12 Techniker zu Solartechnikern ausgebildet werden; das medizinische Personal war im Umgang mit den Anlagen geschult und es hatten fünf große Awareness Events zur Information der Bevölkerung stattgefunden.

Von 2021 bis 2024 folgte ein zweites FKKP - Projekt mit dem Titel: „Förderung der Aus- und Fortbildung durch Einsatz von erneuerbaren Energien, Aufbau eines Umweltbildungszentrums und CO2 Kompensationsmaßnahmen in Masasi“. Hierbei wurden insgesamt acht Schulen, zwei Gesundheitsstationen und das neugebaute Mbuyuni Distrikt Hospital mit PV-Anlagen ausgestattet sowie Aufforstungen durchgeführt werden.

Umweltbildungszentrum in Masasi

Im Rahmen des zweiten FKKP-Projekts (Förderprogramm für kommunale Klimaschutz- und Klimaanpassungsprojekte) ist ein Umweltbildungszentrum in Masasi errichtet worden. Ziel war es, ein nachhaltiges aber attraktives Gebäude aus Lehm zu errichten und mit Solartechnik auszustatten. Das Gebäude wurde 2023 / 2024 aus ISSB – Blocks (Interlocking Stabilized Soil Blocks) aus 90 % Lehm und 10 % Zement gemauert. Im Rahmen des aktuellen Nakopa-Projektes (Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partnerschaftsprojekte) werden Schulmaterialien zum Thema Klimaschutz, Klimaanpassung, Abfallwirtschaft und erneuerbare Energien erstellt und Unterrichtseinheiten für die Schulen der Stadt und des Distriktes durchgeführt. Einerseits kommen Schulklassen ins Zentrum oder die Leiterin fährt zu den Schulen hin. Im Umweltbildungszentrum finden nun auch Schulungskurse für Techniker statt, sodass regelmäßig Solartechniker ausgebildet werden können. Zusätzlich finden bei 10 Sekundar-Schulen Aufforstungen statt und werden Umwelt-AGs an den Schulen etabliert.

Kooperation mit der Hochschule und Einbindung von Studierenden

Seit Jahren gibt es eine Kooperation mit der Hochschule Pforzheim mit dem internationalen Studiengang „Management and Engeneering“ unter Prof. Dr. Ludwig Martin in die Partnerschaft eingebracht. So konnten bereits mehrere Bachelor-Arbeiten zu Themen wie „Aufbau eines nachhaltigen Gästehauses als Ausbildungsstätte“, „Abfallwirtschaft in Masasi“, „Bau eines Krankenhauses“ sowie „Baumpflanzungen in Masasi als Kompensation von CO2-Emissionen von Dienstfahrten im Enzkreis“ durchgeführt werden. An der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck wurde eine Masterarbeit zur nachhaltigen Architektur der Ausbildungs-Lodge bzw. des Umweltbildungszentrums in Masasi erstellt. Das Umweltbildungszentrum konnte auf Grundlage der Masterarbeit errichtet werden.

Drei weitere Studenten-Projekte konnten im Rahmen von ASA-Projekten der Engagement Global durchgeführt werden. In den ersten beiden ASA-Basis-Projekten, bei denen jeweils zwei Studenten für drei Monate in Masasi arbeiteten, ging es um die Herstellung von Solarlampen und Solar-Home-Systemen. Bei einem internationalen Projekt, bei dem erst zwei Verwaltungsmitarbeiter aus Masasi zusammen mit zwei Studenten im Enzkreis das Thema Abfallwirtschaft kennengelernt hatten, wurde dann im zweiten Teil in Masasi ein erstes Abfallwirtschaftskonzept inklusive einer Umfrage unter Abfallsammlern erstellt. Projektpartner vor Ort ist neben der Stadtverwaltung das Folk Development College (vergleichbar einer hiesigen Berufsschule).

Auszeichnung der kommunalen Partnerschaft

Den Preis für die Top 3 Platzierung beim Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2019 in der Kategorie Kommunale Partnerschaften nahmen (v. links) Landrat Bastian Rosenau, Angela Gewiese und der Erste Landesbeamte Wolfgang Herz entgegen.

Die positiv verlaufenden Projekte haben dazu geführt, dass der Enzkreis und Masasi im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2019 in der Kategorie Kommunale Partnerschaften mit einer Top 3-Platzierung ausgezeichnet wurden.


Im Jahr 2022 wurde die Kreisverwaltung gemeinsam mit ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern beim entwicklungspolitischen Wettbewerb „Kommune bewegt Welt 2022“ ausgezeichnet. Sie erhielt den Sonderpreis „Klimaschutz“, der mit einem Preisgeld von 10.000 Euro nominiert ist. Dieses soll wiederum in den Klimaschutz investiert werden.

Beworben hatte sich die Kreisverwaltung mit ihren Strukturen und Projekten in der kommunalen Entwicklungspolitik gemeinsam mit dem Partnerschaftsverein „Marafiki wa Masasi e.V.“, der sich stark in die Gestaltung der Kontakte des Enzkreises mit den tansanischen Kommunen Masasi Stadt und Masasi Distrikt einbringt.

Nähere Information zum Wettbewerb finden Sie hier.

Partnerschaftsverein Marafiki wa Masasi e.V.

Die umgesetzten Fördermaßnahmen in Masasi werden finanziell vom Partnerschaftsverein unterstützt. Alle Spenden werden direkt in den Projekten in Masasi eingesetzt. Viel Unterstützung hat der Partnerschaftsverein durch Benefizkonzerte der Sinfonietta Mühlacker im Enzkreis und des Lions Club Mühlacker sowie zahlreicher Einzelspender erhalten.

Der Partnerschaftsverein betreut eigenständig die Klinikpartnerschaft zwischen den Enzkreis Kliniken und dem Mkomaindo Hospital in Masasi. Im Rahmen der Fördermaßnahmen „Klinikpartnerschaften weltweit“ der GIZ - Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit konnten bereits zahlreiche Trainings in Masasi durchgeführt werden und mit Mitteln des Vereins der neue OP-Saal mit medizinischen Geräten ausgestattet werden.


Weitere Informationen zum Partnerschaftsverein „Marafiki wa Masasi e.V.“ finden Sie im aktuellen Flyer (deutsch & englisch).


Wenn Sie die Projekte unterstützen möchten, spenden Sie bitte an:

„Marafiki wa Masasi – Partnerschaftsverein Enzkreis – Masasi / Tansania e.V.“

Zähringerallee 3

75177 Pforzheim

Spendenkonto:

IBAN DE92 6665 0085 0008 700 800

Sparkasse Pforzheim- Calw