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16.11.2017

Vertreter des Enzkreises bei Klimakonferenz in Bonn: Kommunen spielen bei Bekämpfung des Klimawandels unverzichtbare Rolle

Delegation aus dem Enzkreis und dem tansanischen Masasi beim Vernetzungstreffen der Klimapartnerschaften. Von links: Jeremiah Lubeleje, Angela Gewiese, Wolfgang Herz und Dr. Erhard Kirschbaum.

Fotografin: Bernadett Yehdou

„Die Kommunen spielen beim Klimaschutz eine unverzichtbare Rolle. Sie können einzeln zwar nur kleine Beiträge leisten, doch in einer breit aufgestellten, weltweiten Vernetzung haben sie große Wirkung.“ Mit dieser Erkenntnis ist der Erste Landesbeamte des Enzkreises Wolfgang Herz von der 23. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen in Bonn zurückgekehrt.

Unter dem Dach der Konferenz fand auch der „Climate Summit of local and regional leaders“ (Klimagipfel der Regionen und Kommunen) statt. Rund 1.000 Vertreter aus 86 Ländern nahmen daran teil, darunter zahlreiche Bürgermeister und weitere Kommunalvertreter, darüber hinaus NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Umweltminister Franz Untersteller und Hans-Joachim Fuchtel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Konferenz verabschiedete die so genannte „Bonn-Fidschi-Übereinkunft“, die Eingang in die Abschlusserklärung der Weltklimakonferenz finden soll.

Wolfgang Herz ist als Klimaschutzdezernent davon überzeugt: „Die Aufbruchstimmung aus dem Weltklimagipfel von Paris 2015 kann nur mit tatkräftiger Unterstützung der Kommunen umgesetzt werden. Die Folgen des Klimawandels treffen die Menschen, nicht die Regierungen, und deshalb ist kommunaler Klimaschutz eine zentrale Herausforderung der nächsten Jahre.“

Die Weltklimakonferenz nutzten auch Vertreter kommunaler Klimapartnerschaften zu einem internationalen Vernetzungstreffen. Daran beteiligten sich 18 Kommunen aus Latein- und Südamerika sowie Afrika, die zwischen 2011 und 2014 Klimapartnerschaften eingegangen sind, sowie ihre deutschen Partner. Auch die Vorsitzenden von Masasi Distrikt und Masasi Town, mit deren Kommunen der Enzkreis seit Jahren eine lebendige Klimapartnerschaft unterhält, waren nach Bonn gereist, um dort von der erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem deutschen Partner zu berichten.

Präsentation der Projekte beim Vernetzungstreffen der Klimapartnerschaften. Von links: Neermala Gounden aus Südafrika, Sospeter Nachungs aus Masasi Town, Angela Gewiese aus dem Enzkreis sowie Juma Satmah und Jeremiah Lubeleje vom Masasi Distrikt

Fotografin: Bernadett Yehdou

„Beim Vernetzungstreffen kamen jedoch auch Probleme zur Sprache. Während der steigende Meeresspiegel vor allem Küstenstädte wie Kapstadt, Dar es Salaam und Hamburg betrifft, ist das Thema Abfallentsorgung und Nutzung Erneuerbarer Energien bei allen Kommunen ein vordringliches Thema“, berichtet Herz. „Bei einer Podiumsdiskussion mit der Umweltbürgermeisterin von La Paz/Bolivien, Mariana Daza von Boeck, und David Bryant, Mitglied des Stadtrates von Kapstadt, waren wir uns einig: Die Klimaschutzaktivitäten vor Ort müssen vereinfacht und beschleunigt werden. Dazu brauchen die Kommunen nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern klare Kompetenzen.“ Außerdem sei die Einbindung der Zivilgesellschaft unerlässlich.

Was den Enzkreis und seine Klimapartnerschaft mit Masasi betrifft, sieht Herz diese Voraussetzungen bereits weitgehend erfüllt: Seit 2013 existiert ein gemeinsames Handlungsprogramm. Die aufgeführten Projekte werden nach und nach mit finanzieller Unterstützung aus Bundesmitteln umgesetzt. „Dazu gehört etwa der Bau von vier gemauerten Biogas-Anlagen in Masasi“, berichtet Angela Gewiese von der Stabsstelle Klimaschutz im Landratsamt, die ebenfalls mit nach Bonn gereist war. Sie ist auch Vorsitzende des Partnerschaftsvereins „Marafiki wa Masasi“.

Für ein weiteres Vorzeigeprojekt hält Gewiese die Installation einer Solarstromanlage auf dem Dach des Mkomaindo Hospitals in Masasi Town: „Die Solaranlage mit Speicher dient als Backup-System bei den dort täglich vorkommenden Stromausfällen. Aktuell werden außerdem 27 Gesundheitsstationen im gesamten Distrikt sowie in der Stadt mit Solarsystemen mit Batteriespeicher ausgestattet. Viele der Gesundheitsstationen in der ländlichen Region – der Masasi Distrikt ist achtmal größer als der Enzkreis – sind nicht an das Stromnetz angeschlossen.“
Unter dem Dach der Klimapartnerschaft hat sich auch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Enzkreiskliniken Mühlacker und dem Mkomaindo Hospital in Masasi etabliert, die fachlich von Dr. Erhard Kirschbaum betreut wird. Er war als Vertreter der Zivilgesellschaft ebenfalls Mitglied der Enzkreis- Delegation. Zudem gibt es Kontakte zwischen Schulen beider Seiten.

Landrat Karl Röckinger verweist auf den reichen Erfahrungsschatz des Enzkreises bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen, deren Wirksamkeit unter anderem durch den European Energy Award in Gold, aber auch durch die Auszeichnung als „Klimaaktive Kommune 2016“ belegt worden seien. „Dabei wurden vor allem die innovativen Projekte mit Masasi gewürdigt“, so der Kreischef. „Ich hielte es deshalb für einen konsequenten Beitrag zur Nachhaltigkeitsstrategie des Enzkreises, die langjährige Klimapartnerschaft mit dem tansanischen Distrikt, die zu großen Teilen ehrenamtlich getragen ist, mit der Unterzeichnung einer Partnerschaftsurkunde auf eine offizielle Basis zu stellen.“

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