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11.01.2021

Serie Naturschutz im Wald: Alte »Karren« im Wald

Karrenfeld Mönsheim
Eine geologische Besonderheit mit hohem Wert für die Natur ist das »Karrenfeld« im Wald bei Mönsheim.

Mit der Serie „Naturschutz im Wald“ macht das Enzkreis-Forstamt deutlich, wie umfangreich und spannend die Aufgaben in den Wäldern von Stromberg, Heckengäu, Kraichgau und Nordschwarzwald sind. Zuständig dafür ist Matthias Bäuerle. Er besucht diesmal seinen Kollegen Ulrich Schiz, Forstrevierleiter für Mönsheim und lässt sich von ihm ein „Karrenfeld“ im Mönsheimer Gemeindewald zeigen.

Von einem Waldweg aus kann man sie dort entdecken: höckerartige Felsen, im Durchschnitt nur etwa 20 Zentimeter hoch, teilweise parallel angeordnet und von Moos bedeckt. Als „Blockmeer“ ziehen sie sich in einem knapp 40 Meter breiten Band 400 Meter in den Waldbestand hinein. Den wenigsten dürfte bekannt sein, mit welcher geologischen Besonderheit man es hier zu tun hat: Diese Felsformationen sind der Verwitterungsrest einer ehemals geschlossenen Kalkbank. In Folge flächenhafter Verkarstung sind ihre unregelmäßigen, teils löchrigen Formen entstanden, ebenso die zwischen den Höckern liegenden Furchen und Löcher („Karren“).

Dieses „Karrenfeld“ bei Mönsheim ist ein flächiges Naturdenkmal, das in der Waldbiotop-Kartierung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg erfasst ist. Das Feld ist durch das Bundesnaturschutz-Gesetz geschützt: Besonders die artenreiche Besiedlung der Felsblöcke durch Moose ist belegt – an ihnen wurden insgesamt 42 verschiedene Moosarten nachgewiesen!

Als Revierleiter ist Ulrich Schiz in seinem Forstrevier auch für die Gewährleistung der ökologischen Funktion des Waldes verantwortlich. „Wir haben uns damals sehr genau überlegt, wie der Gemeindeforstbetrieb dieser geologischen Besonderheit gerecht werden kann“, sagt der Förster: „Es galt, Schäden an den Felsformationen und dem besiedelnden Artenspektrum beispielsweise durch Holzernte- und Rückearbeiten unbedingt zu vermeiden. So haben wir uns dazu entschlossen, diesen Waldbereich stillzulegen und an dieser Stelle ein Waldrefugium auszuweisen.“

Der Waldbestand besteht hier vorwiegend aus Buchen und Eichen und ist um die 150 Jahre alt. Er wurde aus der Nutzung genommen und damit der eigendynamischen Entwicklung überlassen. Wälder können sich so in diesen Bereichen ohne menschliche Eingriffe entwickeln bis zu ihrem natürlichen Zerfall. Dadurch steigt der Anteil an Altholz, Totholz und Habitat-Bäumen. „Auf solche Strukturen legen wir Förster im Übrigen im gesamten Wald großen Wert, auch in regulär bewirtschafteten Wäldern, denn davon profitieren viele Tier-, Pilz- und Pflanzenarten“, betont Ulrich Schiz. So werden neben Waldrefugien auch einzelne Biotopbäume und Biotopbaumgruppen an besonders geeigneten Stellen ausgewiesen. All dies kommt somit der Artenvielfalt im Wald zugute.

Durch den Rückzug des Menschen aus derart sensiblen Bereichen gibt es für den Förster in einem Waldrefugium wie im Mönsheimer Gemeindewald somit nicht mehr viel zu tun. Und dennoch kommt er gelegentlich vorbei. Denn es gibt viel zu beobachten – und so behält der Förster auch weiterhin die Entwicklung „seines“ (Wald-) Bestandes im Auge.

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