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24.03.2017

Gesundheit von Flüchtlingen: Großes Interesse an weiterem Workshop des Gesundheitsamts

Yvonne Friargiu (links) demonstriert die Trauma Tapping Technique an einer Workshop-Teilnehmerin.

„Viele Menschen, die mit Flüchtlingen arbeiten, sind durch das Thema ‚Trauma‘ verunsichert und fühlen sich überfordert, wenn sie beim Helfen an ihre Grenzen stoßen“, sagt Dr. Brigitte Joggerst. „Die psychotherapeutischen und sozialen Versorgungssysteme sind für diese Dimension nicht vorbereitet und auch nicht vorgesehen; sie sind eh schon überlastet“, lautet die Diagnose der Leiterin des Gesundheitsamts. Deshalb sei man froh, den Beteiligten mit einem Workshop zum „Trauma Tapping“ gezielt Unterstützung in der täglichen Arbeit zu geben.

Für diesen Workshop konnte Dr. Janine Benson-Martin, Psychiaterin beim Gesundheitsamt, die in Berlin praktizierende Psychologin Yvonne Friargiu gewinnen. Friargiu arbeitete mit der schwedischen Therapeutin Gunilla Hamne, der Initiatorin der sogenannten „Trauma Tapping Technique“ (TTT). Zusammen mit dem Hypnotherapeuten und Musiker Ulf Sandström gründete Hamne vor zehn Jahren „Peaceful Heart“. Die Organisation setzt TTT in der Behandlung und Instruktion von Überlebenden von Bürgerkrieg und Genozid ein.

Psychologin Yvonne Friargiu und Dr. Janine Benson-Martin, Psychiaterin beim Gesundheitsamt, leiteten den Workshop zum Trauma Tapping im Landratsamt.

„Dem Krieg in ihren Köpfen, den Verletzungen ihrer Seelen können sie nicht entkommen“, schildert Benson-Martin die Situation vieler Flüchtlinge. „Ungeklärter Aufenthaltsstaus, wenig Privatsphäre und kaum Arbeitsmöglichkeiten steigern den aktuellen Stresslevel und triggern traumatische Erinnerungen und Traumareaktionen“, erklärt die Psychiaterin. Alles zusammen könne zu Depressivität, Aggression und psychosomatischen Problemen führen.

Trauma Tapping ist eine Form von sensorischer Behandlung, die kein Ersatz für eine psychologische Therapie ist, aber bei Stress-Symptomen unterstützen kann – für Benson-Martin „eine einfach zu erlernende und wirksame emotionale Erste Hilfe“. Die Methode stimuliert die Sinne und kann jede Art von emotionalem Stress reduzieren. Außerdem befähigt sie Menschen, sich selbst und anderen zu helfen und dadurch auch ein Stück Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen.

Schon im Januar war ein Workshop des Gesundheitsamts auf große Resonanz gestoßen. Damals wurde das START-Programm vorgestellt, das auf Übungen zum Umgang mit Stress und zur Selbstberuhigung setzt. In mehreren Gruppen leitet Benson-Martin gezielt Flüchtlingshelfer an. Parallel arbeitet die Psychiaterin zusammen mit der Universität Heidelberg an einem Konzept für präventive Ansätze zur Verbesserung der psychischen Gesundheit – bislang gibt es dafür kaum Vorbilder.

„Wir wollen in diesem Jahr weiter gezielt den Aufbau präventiver Angebote fördern und dabei alle beteiligten regionalen Akteure einbeziehen“, betont Dr. Brigitte Joggerst. Um diese zu unterstützen, bietet ihr Amt weitere Workshops an. Beim nächsten geht es um „Mind-Spring“, eine sprachbasierte gruppenbezogene Psychoedukation.

Weitere Informationen gibt es bei Dr. Janine Benson-Martin im Gesundheitsamt, E-Mail Janine.Benson-Martin@enzkreis.de.

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