Sprungziele
Seiteninhalt
29.09.2015

Flüchtlinge im Enzkreis - Teil 8: Arzt, Apotheke, Krankenhaus - wer kümmert sich um die Gesundheit der Flüchtlinge?

Viele Tausend Menschen suchen zurzeit Zuflucht in Deutschland. Woher kommen diese Menschen, wo und wie werden sie untergebracht, dürfen sie arbeiten und wenn ja, ab wann? Antworten auf diese und zahlreiche weitere Fragen gibt eine Artikelserie, die im Mitteilungsblatt erscheint.

Behandlung wird nicht von den Krankenkassen finanziert

Generell haben Flüchtlinge in Deutschland das Recht auf eine Basisbehandlung von Krankheiten. Menschen, die in Deutschland einen Asylantrag stellen, werden zunächst in den Landeserstaufnahmestellen (LEA) untergebracht. Dort werden sie ärztlich untersucht und in der Regel gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft.

Wenn sie nach einigen Wochen in den Enzkreis verlegt werden, übernimmt das Landratsamt die Kosten für ärztliche Behandlungen. Diese Ausgaben werden vom Land erstattet. Bislang bekommen die Flüchtlinge keine Chipkarte, wie sie jeder Versicherte in Deutschland von seiner Krankenkasse erhält. Akute und schmerzhafte Erkrankungen sowie Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen werden problemlos übernommen. Andere Untersuchungen und Behandlungen müssen im Einzelfall zunächst genehmigt werden; Ärzte und Kliniken rechnen die Behandlung dann mit dem Landratsamt ab. Das Verfahren ist zeitraubend und kompliziert; deshalb gibt es Bestrebungen, auch für Flüchtlinge eine Chipkarte einzuführen.

Sprechstunden vor Ort

Das Gesundheitsamt hat gemeinsam mit der Ärzteschaft ein Konzept für die medizinische Versorgung entwickelt: Vorort-Sprechstunden in größeren Asyl-Unterkünften, zum Beispiel in den Hallen in Bauschlott und Mühlacker. Zahlreiche engagierte Ärzte aus dem Enzkreis beteiligen sich an dem neuen Angebot. Geplant ist zudem die Einstellung einer Krankenschwester, die berät und Termine koordiniert.

Durch die Sprechstunde vor Ort wird der bürokratische Aufwand verringert. Vor allem aber gibt es in den großen Unterkünften fast immer jemand, der bei Verständigungsproblemen helfen und übersetzen kann. Die ersten Erfahrungen sind sehr positiv: Die Sprechstunde wird rege in Anspruch genommen und viele Patienten können direkt mit der notwendigen Behandlung oder mit einem Rezept versorgt werden.

Durch das dichte Zusammenleben vieler Menschen auf sehr engem Raum ist die Gefahr groß, dass sich ansteckende Krankheiten schnell ausbreiten können. Als nächstes sollen daher Präventions- und Impfsprechstunden installiert werden. Eine Häufung bestimmter Erkrankungen konnte bislang nicht festgestellt werden. Allerdings sind zunehmend schwerwiegende körperliche und psychische Erkrankungen zu beobachten, die nicht mehr behandelt werden konnten, weil die Gesundheitsfürsorge in den Heimatsländern der Menschen seit Monaten oder gar Jahren zusammengebrochen ist.

Seite zurück Nach oben