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29.09.2016

Flüchtlinge im Enzkreis - Teil 40: Flüchtling, Migrant, Asylbewerber - was bedeuten die Begriffe?

Viele Tausend Menschen suchen Zuflucht in Deutschland. Woher kommen diese Menschen, wo und wie werden sie untergebracht, dürfen sie arbeiten und wenn ja, ab wann? Antworten auf diese und zahlreiche weitere Fragen gibt eine Artikelserie, die in loser Folge im Mitteilungsblatt erscheint. Alle bisherigen Artikel der Serie finden sich im Internet unter www.enzkreis.de/Flüchtlinge.

Flüchtling oder Asylbewerber: Das BAMF entscheidet

Zumeist werden die Menschen, die nach Deutschland kommen, alle als „Flüchtlinge“ bezeichnet. Das Gesetz differenziert jedoch: Flüchtling gemäß der internationalen Genfer Flüchtlingskonvention ist, wer in seinem Heimatland verfolgt und dort vom Staat nicht geschützt oder sogar von Staats wegen bedroht wird. Gründe können Religion, Nationalität, Ethnie, sexuelle Orientierung oder politische Überzeugung sein. Das deutsche Grundrecht auf Asyl ist dagegen enger gefasst: Es steht Menschen zu, die politisch oder aufgrund ihrer Religion oder wegen unveränderbarer Merkmale verfolgt werden.

In beiden Fällen muss ein Antrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gestellt werden. Das BAMF entscheidet, ob ein Mensch asylberechtigt ist, ob er den Flüchtlingsstatus erhält oder ob ihm beides verweigert wird. Wer als Flüchtling oder als Asylberechtigter anerkannt ist, darf in Deutschland bleiben und erhält eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für drei Jahre. Danach wird geprüft, ob die Flucht- oder Asylgründe weiterhin bestehen. Falls ja, kann er eine unbefristete Niederlassungserlaubnis erhalten.

Als „Kontingentflüchtlinge“ bezeichnet man Flüchtlinge aus Krisenregionen, die im Rahmen internationaler Hilfsaktionen aufgenommen und beispielsweise aus Flüchtlingslagern direkt nach Deutschland ausgeflogen werden. Sie erhalten ohne weitere Prüfungen eine Aufenthaltserlaubnis. Die Gründe können sowohl völkerrechtlich als auch humanitär sein – sie können aber auch in der Wahrung politischer Interessen Deutschlands liegen.

Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund

Das Wort Migrant stammt vom lateinischen Verb „migrare“ (wandern). Es bezeichnet Menschen, die ihr Land verlassen (dann sind sie Emigranten) und in einem anderen einwandern (also immigrieren). In diesem Sinne sind auch Flüchtlinge „Migranten“. Allerdings versteht man unter Migranten eher Menschen, die aus persönlichen Gründen in ein anderes Land (aus-) wandern oder weil sie dort arbeiten (möchten). Das klassische Beispiel sind die sogenannten „Gastarbeiter“, die in den 1960er und 70er Jahren nach Deutschland kamen.

Einen „Migrationshintergrund“ haben nach der amtlichen Definition alle nach 1949 in Deutschland Zugewanderten, in Deutschland geborene Ausländer sowie Menschen, von denen mindestens ein Elternteil Ausländer ist oder nach Deutschland eingewandert ist. Insofern gelten auch Spätaussiedler und deren Kinder zu den Menschen mit Migrationshintergrund. Etwa 30 Prozent, also fast ein Drittel der in Baden‑Württemberg Lebenden, haben einen Migrationshintergrund; in der Stadt Pforzheim liegt der Anteil bei annähernd 50, in Stuttgart bei etwa 40 Prozent.

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