Sprungziele
Zum Aktivieren des Google-Übersetzers bitte klicken. Wir möchten darauf hinweisen, dass nach der Aktivierung Daten an Google übermittelt werden.
Mehr Informationen zum Datenschutz
Seiteninhalt
25.07.2016

Der Erfinder Oechsle und seine Manufaktur wissenschaftlicher Gerätschaften: Briefe im Stadtarchiv veranschaulichen Arbeitsweise des berühmten Pforzheimers

Aus Archiven der Region

Christian Ferdinand Oechsle (1744-1852) zählt als Erfinder und Mechanikus zu den herausragenden Persönlichkeiten, die den Namen von Pforzheim weit hinausgetragen und ihm einen guten Klang verliehen haben. Seine Oechsle-Waage zur Messung des Zuckergehalts im Weinmost ist bis heute im Gebrauch. In den letzten Jahren konnte das Stadtarchiv Pforzheim drei handschriftliche Briefe von Oechsle erwerben. Sie richten sich an seine Kunden und geben einen Einblick in seine Arbeitsweise.

„In seiner Werkstatt in der Altstädter Kirchenstraße stellte Oechsle über 500 verschiedene physikalische und chemische Präzisionsinstrumente her“, erläutert Harald Katz vom Stadtarchiv. Viele Gerätschaften entwickelte er dort selbst. Die Produktpalette, darunter auch Telegraphenapparate nach Morse, wurde schon damals in einem Katalog angeboten und erfreute sich großer Nachfrage. Das jedenfalls, so Katz, geht aus zahlreichen Zeugnissen und Empfehlungen namhafter Universitäten und Hochschulen hervor.

Ein berühmter Pforzheimer: Der Erfinder und Mechanikus Christian Ferdinand Oechsle.

© Stadtarchiv Pforzheim

Die jüngst erworbenen Briefe richteten sich an zwei seiner Kunden. So schrieb Oechsle im Januar 1838 an den bekannten Karlsruher Münzrat Ludwig Kachel (1791-1878) und bittet zunächst um die postalische Übersendung von – offenbar noch geschuldeten – 96 Gulden und 48 Kreuzern: „…denn zum Empfangen findet man zu jeder Stunde eine offene Hand nicht nur bei Mechanikern, sondern sogar bei Leviten und Priestern jeder Farbe und Ranges“. Danach antwortet Oechsle auf Kachels Bestellung „einer Wage mit einer Empfindlichkeit von 1 Centigramm“, die er in vier bis fünf Wochen liefern könne. Der Preis für das Gerät werde 80 Gulden betragen.

Ein weiterer Geschäftspartner saß in Lahr: der Apotheker Dr. Christian Hänle (1789-1863), ein Pionier der wissenschaftlichen Pharmazie, mit dem Oechsle auch freundschaftlich verbunden war. Unter anderem führt er dabei in seinem Brief vom 19. April 1841 aus: „Der Elektromagnet wird 180 Pfund tragen. Ein ziemlich großes Modell einer Elektro-Magnetischen Bewegungsmaschine habe ich für eigene Versuche angefangen. Wann es fertig ist, werde ich Ihnen anzeigen, was es leistet. Ich hoffe […] das Hammerwerk kann alsdann mit verbunden werden. Den Preis kann ich erst nach Beendigung desselben angeben“.

Weiter schreibt er: „Auf mein Guthaben von 136 Gulden 57 Kreuzer werde ich eine Anweisung 1 Monat nach Dato auf dem Kassier des dortigen Gewerbeverein, Ordre des Herrn C. F. Witzenmann abgeben“. Hier bezieht sich Oechsle auf Christoph Friedrich Witzenmann (1778–1836), Kaufmann in Pforzheim, der als Mitglied der 2. Kammer des Badischen Landtages von 1819 bis 1823 und von 1831 bis 1833 den Wahlkreis Stadt Pforzheim vertrat.

Brief von Chr. F. Oechsle an den Lahrer Apotheker Dr. Hänle aus dem Jahr 1842

© Stadtarchiv Pforzheim

Im dritten Schreiben vom 6. September 1842, wiederum an Dr. Hänle, gibt Oechsle einen interessanten Einblick in seine Vorgehensweise bei der Herstellung seiner Apparaturen und den damit verbundenen Qualitätsanspruch: „Busen’sche Kohle habe ich bis jetzt noch keine, ließ mir dazu aber eine Partie Steinkohlen von London direkt kommen und werde, wenn ich einige freie Zeit bekomme, mich dahintermachen. Die englischen Kohlen sind ganz vorzüglich“. Es sei schon überraschend, dass englische Kohle über London und die Nordsee und dann vermutlich auf dem Rhein und über Bruchsal nach Pforzheim geliefert wurde, meint Historiker Katz.

Die mechanische Werkstatt von Oechsle wurde von seinem Sohn Christian Ludwig Oechsle (1814-1897) weitergeführt, dann aber mangels männlicher Nachkommen eingestellt. „Schade eigentlich“, meint Harald Katz: „Wer weiß, was daraus sonst noch entstanden wäre.“ Ernst Leitz jedenfalls, ein Lehrling von Ludwig Oechsle, gründete nach seiner Pforzheimer Ausbildung in Wetzlar den späteren Weltkonzern „Leica“.

Seite zurück Nach oben Drucken