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13.11.2020

Corona-Schnelltests: Kein flächendeckender Einsatz - Schwerpunkt sollen Pflegeheime sein

Seit einigen Wochen stehen sie zur Verfügung: Sogenannte Antigen- oder Schnelltests, mit denen das Corona-Virus nachgewiesen werden kann. „Entgegen der landläufigen Meinung sind diese Tests aber nichts für den Hausgebrauch“, erläutert Gesundheitsamts-Chefin Dr. Brigitte Joggerst. Begrüßen würden sie und die Ärzteschaft in der Region, wenn alle Pflegeheime Antigen-Tests einsetzen würden – so, wie es unter anderem in der Teststrategie des Landes steht.

Die neuen Tests haben nach Ansicht der Medizinerinnen und Mediziner klare Vor-, aber auch deutliche Nachteile. „Die Proben werden nicht ins Labor geschickt und dort ausgewertet, sondern direkt vor Ort mit Hilfe von Reagenzien analysiert“, erläutert Joggerst. Damit fallen Transport und Wartezeit weg und das Ergebnis liegt im Idealfall bereits nach einer Viertelstunde vor. Zum Vergleich: Derzeit kann es aufgrund der Engpässe in den Laboren zwei bis drei, zuweilen sogar bis zu fünf Tage dauern, ehe die Ergebnisse der herkömmlichen PCR-Tests beim Gesundheitsamt eingehen.

Dem Vorteil stehen jedoch zwei Nachteile gegenüber: Aufwand und Genauigkeit. „Der Test muss von einer medizinischen Fachkraft vorgenommen werden“, wie die Gesundheitsamts-Chefin erklärt – und zwar sowohl was den Abstrich angeht als auch die anschließende Auswertung. Mit anderen Worten: Pro Test ist die Fachkraft 15 Minuten beschäftigt, kann also nur vier Patienten pro Stunde testen. „Für einen flächendeckenden Einsatz, beispielweise in Schulen oder Betrieben, kommt der Antigen-Test daher momentan nicht in Frage“, wie Joggerst sagt. Abgesehen davon stünde er auch gar nicht in den dafür notwendigen Mengen zur Verfügung.

Auf einen weiteren Nachteil weist Dr. Felix Schumacher, Chefarzt der Intensiv- und Notfallmedizin am Helios-Klinikum, hin – die relative Ungenauigkeit: „Man hat in Deutschland inzwischen bereits einige Erfahrungen mit dem Test“, sagt Schumacher. Dabei habe sich herausgestellt, dass der Schnelltest gerade bei Patienten mit wenig oder gar keinen Symptomen gelegentlich falsch-negative Ergebnisse anzeigt: „Wir wissen inzwischen von mehreren Covid-positiven Patienten, bei denen der Antigentest nichts angezeigt hat. Somit wiegt man sich bisweilen in falscher Sicherheit und kann sich gerade bei der Aufnahme in Kliniken nicht alleine auf die Schnelltests verlassen.“

Felix Schumacher hält ebenso wie Brigitte Joggerst den PCR-Test aus diesem Grund für den „Goldstandard“. Zu Schnelltests raten die Mitglieder der Steuerungsgruppe Medizinische Versorgung Pforzheim-Enzkreis, der insbesondre Vertreter der Krankenhäuser, der niedergelassenen Ärzte und der Rettungsdienste angehören, derzeit vor allem in Senioren- und Pflegeheimen: „Wir sehen momentan in mehreren Heimen in Pforzheim und im Enzkreis Ausbrüche. Hier können die Tests helfen, infizierte Bewohner und Mitarbeiter rasch zu identifizieren und weitere Infekt-Ketten zu verhindern“, sind die Medizinerinnen und Mediziner überzeugt. Der Vorteil der Heime: Dort gibt es in der Regel Fachpersonal, das die Tests durchführen kann. „Eine Einrichtung hat dafür sogar jemanden neu eingestellt“, lobt Brigitte Joggerst.

Sie sieht auf der anderen Seite, dass die Heime oft bereits personell am Limit sind. Fallen dann noch Pflegekräfte aus, womöglich durch eine Corona-Infektion, „dann kann es schnell eng werden“, weiß auch Schumacher. Dennoch plädiert er als Vertreter der Kliniken im Verwaltungsstab deutlich für mehr Tests in den Pflege-Einrichtungen, denn: „Wenn sich Bewohnerinnen und Bewohner anstecken, müssen sie meist über kurz oder lang stationär aufgenommen werden – das können wir in den Kliniken auf Dauer aber nicht leisten“, warnt der Intensiv-Mediziner.

Welchem Test die niedergelassenen Ärzte den Vorzug geben, bleibt ihnen selbst überlassen, wie die Pandemiebeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung, Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, sagt. Das Testzentrum in der Pforzheimer Nordstadt hingegen ist für die Antigen-Tests nicht ausgelegt: Dort stehen weder die räumlichen noch die personellen Ressourcen zur Verfügung um diese Tests in größerer Zahl durchführen zu können.

Schnelltest hin oder her: Generell gilt auch weiterhin, dass jetzt, zu Beginn der typischen Erkältungszeit, nicht alle Menschen mit leichten oder gar keinen Symptomen getestet werden können. Ihnen raten die Medizinerinnen und Mediziner: „Kurieren Sie Ihre leichte Erkrankung daheim aus. Meiden Sie Kontakte; begeben Sie sich idealerweise in häusliche Isolierung für fünf Tage und mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit.“

Weitere Informationen finden sich auf den Seiten des Enzkreises unter www.enzkreis.de/corona. Fragen können auch an die Hotline des Gesundheitsamtes unter 07231 308-6850 oder per E-Mail an corona@enzkreis.de gerichtet werden.

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